Wolfsbach

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Wolfsbach
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Lage Wappen
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Lage in Google Maps Gemeinde-Website
Gemeindedaten
Bezirk: Amstetten (AM)
Gerichtsbezirk: Stadt Haag
Katastralgemeinden: Wolfsbach, Bubendorf, Meilersdorf
Fläche: 30,95 km2
Einwohner: 1.857 (2010)
Höhe: 384 m
Vorwahl: +437477
Postleitzahl: 3354
Koordinaten: 48° 4′ N, 14° 40′ O
Gemeindekennziffer: 30542
Amtliche Adresse: 3354 Wolfsbach Kirchenstraße 2
Bürgermeister: Franz Sturm (ÖVP)
Weitere statistische Daten




Inhaltsverzeichnis




Über Wolfsbach

Die Marktgemeinde Wolfsbach liegt in der Region „Herz des Mostviertels“ und ist ca. 20 km von den Städten Amstetten und Steyr entfernt. Unsere Gemeinde ist über die Westautobahn – A1 – Abfahrt Oed und Haag in ca. 15 Minuten erreichbar. Eine Autobushaltestelle mit Verbindungen nach Amstetten und Steyr befindet sich im Ort; der nächste Bahnhof in St.Peter-Seitenstetten ist in ca. 10 Minuten erreichbar.

Unsere Gemeinde umfasst mit ihren drei Katastralgemeinden Wolfsbach, Meilersdorf und Bubendorf eine Fläche von 30,97 km² und in den in 470 Häusern des Gemeindegebietes leben rund 1.860 Einwohner

Vom Grillenberg - östlich von Wolfsbach gelegen - hat man eine herrliche Aussicht auf die Voralpen – vom Ötscher bis zum Traunstein. Franz Schweikhardt beschreibt in seinem Werk "Die Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns" die Gegend um Wolfsbach als eine "äußerst anmutige Abwechslung mit Feldern, Wiesen und kleinen Gehölzen ..., die einen romantischen Charakter erhält".

Die Versorgung der Gäste und der Bevölkerung ist durch einen praktischen Arzt mit Hausapotheke, eine Raiffeisenbank, einem sehr aktiven Nahversorger, Tankstelle, Kaffeehaus und sieben sehr guten Gasthöfen mit Nächtigungsmöglichkeit gesichert.

Eine Besonderheit des Ortes stellt das intensive Vereinsleben mit hohem musikalischen und kulturellem Potential dar. Von den über dreißig Vereinen und Organisationen sind besonders der Musikverein, der Kirchenchor und der Jugendchor „ Die Voice-båcher“ hervorzuheben, die bei zahlreichen Veranstaltungen großartige Leistungen erbringen, Dieses kulturelle Potenzial unserer Gemeinde war auch einer der Hauptgründe für die 2003 erfolgte Markterhebung.

Eine Besonderheit ist sicherlich die 2003 erbaute Dorfkapelle; vor allem der Baustil und die künstlerische Ausgestaltung finden allgemein große Aufmerksamkeit.

Für sportliche Aktivitäten wie Fußball, Asphalt-Stocksport, Tennis, Wandern, Beachvolleyball und Radfahren stehen entsprechende Angebote zur Verfügung. [1]

Geschichte

Wolfsbach eine typische Landgemeinde im "Herz des Mostviertels" mit geschichtsträchtiger Vergangenheit

823 - 1. urkundliche Nennung Frankfurt/Main - Kaiser Ludwig der Fromme stellt dem Bistum Passau Güter zurück, die diesem von seinem Vater Karl dem Großen geschenkt worden sind.
Pfarrkirche wolfsbach.jpg

10. Jahrhundert- Rittergeschlecht der Meilersdorfer Aus ihrem Geschlecht stammen u. a. Burggrafen von Steyr, kaiserliche Pfleger, Soldatenführer und ein Abt des Stiftes Seitenstetten. Überreste der Ritterburg sind bis 1830 belegt; Pfahlreste mit einer Länge von 5 Metern wurden erst noch vor einigen Jahren aus dem Boden gezogen (Meilersdorf = Siedlung nahe Wolfsbach, heute auch eine der Katastralgemeinden neben Bubendorf und Wolfsbach).

1142 - Übergabe von "Woluesbach" durch Bischof Reginbert an das Stift Seitenstetten Der Passauer Bischof beurkundet, dass er dem Stifte unter anderem die Pfarre Wolfsbach mit ihren Filialen Seitenstetten (St. Veit) und St. Michael übergeben habe. Wolfsbach gilt (gemeinsam mit Aschbach) als Urpfarre dieser Region!

1486 Wolfsbach wird von ungarischen Truppen arg in Mitleidenschaft gezogen.

1529 Im Zuge der Türkenkriege wird der Pfarrhof eingeäschert.

18. Jahrhundert Im 2. Franzosenkrieg wird der damalige Pfarrer Florian Nasinger von den Soldaten so sehr misshandelt, dass er kurz darauf stirbt. 1735 wird (laut Pfarrchronik) eine bereits bestehende Schule vergrößert und den "..neuen Lernmethoden entsprechend zweckmäßiger eingerichtet ...". Eine einklassige Schule war folglich schon vor Einführung der allgemeinen Schulpflicht existent.

20. Jahrhundert 1. Weltkrieg: Auf Grund der Lieferverpflichtung bei Vieh und Getreide herrscht großer Mangel an Grundnahrungsmitteln. Infolgedessen wird das Wolfsbacher Notgeld eingeführt. 1945 lag Wolfsbach innerhalb der russischen Besatzungszone. Seit der Zeit des Wiederaufbaues erlebt(e) der Ort einen bemerkenswerten Aufschwung.

St. Veit in Wolfsbach – aus der Geschichte der Mutterpfarre von Seitenstetten [2]

Erklärung des Ortsnamens

Nach dem niederösterreichischen Ortsnamenbuch von Heinrich Weigl lauten die ältesten urkundlichen Nennungen: 823 Uuoluesuuanc; 903 in loco Wolueswanc; 1074/87 ad Wolvispach; 1109 Wolfpach und 1142 Woluesbach.[3] Wolfeswanc entwickelte sich zur heutigen Namensform Wolfsbach nicht durch Lautverschiebung, sondern durch Volksetymologie. Weil man im Zuge der neuen deutschen Siedlungswelle nach den Ungarnkriegen die Silbe –wanc nicht mehr verstand, ersetzte man sie durch –bach.[4]

Die Frühzeit

Die ältesten Besiedlungshinweise sind zwei jungsteinzeitliche Steinbeile (3. Jahrtausend v. Chr.), die in der KG Bubendorf gefunden wurden.[5] Die Römerfunde reichen von Norden her bis an die Url, wo P. Petrus Ortmayr beim Hause Hinkermühle neben Münzen so viele Tonscherben fand, dass er dort eine römische Töpferei annahm.[6] 

In der Karolingerzeit folgte die deutsche Besiedlung den Römerspuren. Daher sind nördlich der Url die Kirchsprengel Aschbach und Wolfsbach urkundlich früh bezeugt. Wie P. Benedikt Wagner in einem Aufsatz über die Anfänge der Pfarre Aschbach darlegte, kommen beide erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 823 vor, die in einer längeren und kürzeren Fassung überliefert ist. Nach langem Gelehrtenstreit über die Echtheit dieser zwei Fassungen, sind sich die Historiker in jüngerer Zeit doch einig geworden, dass die längere Fassung gefälscht ist, die nur in einer Abschrift erhaltene kürzere aber auf eine echte Urkunde zurückgeht, welche Kaiser Ludwig der Fromme am 28. Juni 823 in Frankfurt am Main ausgestellt hat. Er berichtet darin, dass sein Vater, der Kaiser Karl (der Große), das Awarenreich unterworfen und die Menschen jenes Landes dem göttlichen Dienste insoweit zugeführt habe, dass er sehr viele Örtlichkeiten (loca) der Kirche von Passau und ihren Bischöfen übergab. Aber teils durch Nachlässigkeit eines Passauer Bischofs, teils durch Begierlichkeit der Grafen jenes Gaues seien gewisse Örtlichkeiten strittig geworden. Darauf zählt er unter anderem auch Aspach, Uuolfesuuanc und je zwei Kirchen in Ardagger und Saxen auf. Nach einer Untersuchung des Sachverhaltes ließ der Kaiser den Besitz der umstrittenen Güter dem damaligen Bischof von Passau Reginhar und seinen Nachfolgern bestätigen.[7]

Was aber wurde dem Hochstift Passau von Karl dem Großen zugesagt und von Ludwig dem Frommen bestätigt? Die Urkunde Ludwigs zählt zunächst einige Örtlichkeiten (loca), darunter auch Aschbach und Wolfeswang, und dann je zwei Kirchen zu Ardagger und Saxen auf, wobei unter Kirchen (basilicae) sicher Kirchenbauten gemeint sind. Hingegen ist loca ein ziemlich allgemeiner Ausdruck, bei dem man zunächst an Orte denkt, der aber auch eine Gegend bedeuten kann. Man ist also versucht, an die (weltliche) Oberherrschaft über die genannten Orte zu denken. Berücksichtigt man aber, dass als Zweck der Schenkung Karls an Passau angegeben wird, die Leute des bisherigen Awarenreiches dem Gottesdienst zuzuführen, und dass Passau, soweit wir wissen, später immer unbestritten für die Organisation der Seelsorge in Aschbach und Wolfsbach zuständig war und das Recht auf den damit eng zusammenhängenden Zehent hatte, dort aber nie die Ortsobrigkeit besaß, so wird man eher an einen Seelsorgsbezirk denken. Der unbestimmte Ausdruck loca kommt daher, dass es damals den Begriff Pfarre noch nicht in unserem Sinn gegeben hat. Irgendwie muss es aber doch Seelsorgesprengel gegeben haben, damit klar war, wie weit der Zuständigkeitsbereich eines Seelsorgers reichte.[8]

Dass Aspach das heutige Aschbach meint, ist klar, kann mit Uuolfesuuanc aber Wolfsbach gemeint sein? Darüber gab es vor Jahrzehnten im Arbeitskreis für Bezirksgeschichte eine intensive Diskussion. Der Ort kommt nochmals in einer Urkunde vom 8. September 903 vor, in welcher der Chorbischof (Weihbischof in einem Missionsgebiet) Madalwin die meisten seiner beweglichen und unbeweglichen Güter der Diözese Passau vermacht, darunter auch ein Eigengut an einem Ort, der Wolveswanc heißt, dessen Gebiet im Osten bis zum Fluss Url und zum Eigengut des Tregewolf... reicht. Franz Steinkellner vermutete dieses Eigengut richtig am Oberlauf der Url in der Gegend von Ertl bis St. Peter in der Au. Daraus schloss man nun, dass Wolveswanc nicht das heutige Wolfsbach sein kann. P. Benedikt Wagner hält dem aber entgegen, dass 823 der Ort Uuolfesuuanc selbst übergeben wird, während Madalwin nicht die ganze Örtlichkeit, sondern ein Gut an einem Ort, derWolveswanc heißt, an Passau übergibt. Und wenn man nun locus als einen Seelsorgsprengel auffasst und bedenkt, dass Ertl und St. Peter in der Au ursprünglich zur Pfarre Wolfsbach gehörten, dann kann man Wolfeswang und Wolfsbach gleichsetzen. Auch der lautliche Unterschied von –wanc und –bach schließt diese Gleichsetzung nicht aus, denn auch Rohrbach an der Gölsen wurde noch um 1120 Roruuanch geschrieben. Daraus ergibt sich aber, dass Wolfsbach und Aschbach von Anfang an gleichgestellte Pfarrsprengel waren.[9]

Um 1050 verlieh Bischof Egilbert von Passau dem neugegründeten Nonnenkloster Erla unter anderem auch einen Hof und den ganzen Zehent von 24 Höfen nahe bei der Kirche Wolfsbach.[10] Ein Güterverzeichnis des Stiftes Admont bezeugt mit der Nennung eines Stallhofes zu Wolfsbach (curtis stabularia ad Wolvispach) in der Zeit von 1074-1087 die heutige Form des Ortsnamens.[11]

Das Hochmittelalter

Von einer Pfarre Wolfsbach ist erstmals im Zusammenhang mit der Gründung eines Stiftes für Regularkanoniker die Rede, das spätestens 1109 in Seitenstetten errichtet wurde. Das Vordringen der deutschen Besiedlung nach Süden und Westen hatte zur Folge, dass die Pfarrsitze Wolfsbach und Aschbach an den Rand des Gebietes kamen, das von ihnen aus betreut werden sollte. Die Pfarre Wolfsbach reichte bis an die Grenze von Oberösterreich und war mit der heutigen Pfarre Maria Neustift benachbart. Dadurch entstand ein seelsorglicher Notstand. Man hat den Eindruck, dass Bischof Ulrich von Passau zu Beginn des 12. Jh. diesen Notstand durch die Gründung eines Chorherrenstiftes in Seitenstetten mildern wollte. Es fällt auf, dass das Chorherrenstift bei der heutigen Friedhofskirche St. Veit seinen Sitz hatte und der heilige Veit auch Kirchen- und Pfarrpatron von Wolfsbach ist. Das lässt darauf schließen, dass der Bischof den Pfarrsitz von Wolfsbach in das zentraler liegende Seitenstetten verlegen wollte. Durch die Gründung eines Chorherrenstiftes wollte er wohl dafür sorgen, dass es für die Großpfarre Wolfsbach genügend Seelsorger gäbe. Die Verlegung der Pfarre kam jedoch nicht zustande. Bereits 1111 muss dieses Kanonikat schon zu Ende gewesen sein, oder zumindest keine Aussicht auf längeres Bestehen geboten haben. In diesem Jahr wies nämlich Bischof Ulrich dem Chorherrenstift St. Florian Zehente im Bezirk Amstetten zu, darunter auch in Sindelburg und Wolfsbach. Hätte es damals noch floriert, so würde er diese Zehente sicher eher dem näher gelegenen Seitenstettner Kanonikat zugewiesen haben.[12]

1142 verlieh Bischof Reginbert von Passau dem damals noch jungen Benediktinerstift Seitenstetten unter anderem auch die Pfarre Wolfsbach mit allen ihren Filialkirchen.[13] Diese Urkunde gibt zugleich wertvolle Hinweise auf die Größe der Pfarre. Zu dieser gehörten noch Seitenstetten und St. Michael, das bis 1930 auch einen großen Teil der heutigen Pfarre Ertl umfasste. Um 1160 schenkte Heilwig von Bierbaum dem Stift Seitenstetten Güter, die im Südosten der Pfarre Wolfsbach, rund um Bierbaumdorf, zu suchen sind. [14] Nachdem nun die Großpfarre Wolfsbach klar in das Licht der Geschichte getreten war, sollte sie sich nicht mehr lange ihrer Größe erfreuen. 1312 wird St. Michael ausdrücklich Pfarre genannt und 1326 Seitenstetten. Auch St. Johann in Engstetten, das 1142 nicht zu Wolfsbachs Filialen gezählt wird, weil es dem Stift Garsten unterstand, ist 1398 ausdrücklich Pfarre genannt; im Spätmittelalter war St. Johann allerdings in Personalunion mit der Pfarre Wolfsbach verbunden.[15]

Im Mittelalter betreuten die Ordenspriester nur selten ihre Stiftspfarren selbst. Meist wurden sie Weltpriestern verliehen, die von ihren Pfarreinkünften einen Teil an das Stift abgeben mussten, im übrigen aber dem Bischof verantwortlich und vom Stift ganz unabhängig waren. Solche Weltpriester als Pfarrer nannte man Plebane (Leutpriester). Bereits 1158 wird ein Gerhardus Plebanus von Wolvesbach erwähnt.[16] 1384 verpfändete das Stift dem Pfarrer Seifried von Wolfsbach um 150 Pfund Pfennige auf Lebenszeit eine ganze Reihe von Gütern.[17] Offensichtlich war das Kloster damals in Geldnot, während der Pfarrer ein vermögender Mann gewesen sein muss. 1397 kam es zwischen dem Stift und einem Priester Petrus von Pfarrkirchen über die Pfarre Wolfsbach zu einem Streit, in dem sich der Abt sogar an den Papst wandte.[18]1401 gab der Priester die Pfarre endlich an das Stift zurück, ließ sich dafür aber eine Pension zahlen.[19] Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass sich Abt Laurentius (1385-1419) aus dem Wolfsbacher Rittergeschlecht der Meilersdorfer große Mühe gab, die Inkorporation seiner Heimatpfarre zu erreichen. Er hatte damit aber keinen Erfolg und verzichtete schließlich im Zuge der Melker Reformbewegungen gar auf sein Amt. 

1456 weihte der Passauer Weihbischof Sigmund den neuen Chor (Altarraum) der Wolfsbacher Kirche, den Hauptaltar des hl. Vitus und im alten Kirchenschiff drei Seitenaltäre zu Ehren Unserer Lieben Frau sowie der Hl. Nikolaus und Katharina.[20] 1486 ging in den Wirren der Ungarnkriege unter Matthias Corvinus ein Stiftbrief verloren, den Wolfgang, der letzte Meilersdorfer, im Jahre 1500 nochmals ausstellte.[21] Bald darauf starb er. Sein schöner Grabstein mit der Gestalt des Ritters in Hochrelief ist heute noch in der Kirche zu sehen. Um 1510 wurde das bis dahin wohl romanische Kirchenschiff zur spätgotischen Vierstützenhalle verbreitert und ausgebaut. 1517 erreichte das Stift endlich die volle Inkorporation der Pfarren Aschbach, Allhartsberg und Wolfsbach. Als daher 1520 Pfarrer Christoph Schabenruessel starb – sein Grabstein ist im Vorraum der Kirche noch erhalten - ergriff Abt Andreas von Seitenstetten in feierlicher Zeremonie Besitz von der Kirche. Die Türkeneinfälle des 16. Jh. brachten viel Leid über die Bevölkerung. Abt Johannes Eispain schreibt in einem Ansuchen um Steuererlass, dass im Jahre 1532 von den Türken die Pfarrhöfe von Aschbach und Wolfsbach zerrissen und geplündert, die Dienerschaft weggeführt und einige Priester erschlagen worden seien.[22] 1547 wurde mit Johannes III. abermals ein Wolfsbacher Abt zu Seitenstetten, allerdings nach einem Jahr auch schon wieder abgesetzt. Es kündigten sich schon die Wirren der Reformation an.[23]

Zwischen Reformation und Spätbarock

Die volle Inkorporation enthielt auch das Recht, in den inkorporierten Pfarren Mitglieder des Konventes selbst als Pfarrer einzusetzen. Diese Möglichkeit nutzte man nun, um zuverlässige Seelsorger zu haben. Das führte um 1560 aber zum Konflikt zwischen Abt und den Zechleuten der Pfarre, die sich beim Kaiser beschwerten, dass man früher einen Weltpriester mit ein oder zwei Gesellen als Pfarrer gehabt habe, nun aber vom Prälat ein Mönch verordnet worden sei, der im Kloster erhalten wird, weshalb einige ohne Sakramente gestorben seien. Mit ein Grund für diese aus Sicht der Wolfsbacher mangelhafte seelsorgliche Betreuung waren sicher die damals stark zurückgehenden Priesterberufe.[24]

1568 hatte Abt Georg den alten Pfarrhof zu Wolfsbach samt dazugehörigen Gütern verkauft und einen neuen bauen lassen, weshalb Zechleute und Pfarrgemeinde abermals Beschwerde führten und verlangten, den Verkauf rückgängig zu machen. Der Streit zog sich länger hin. Die vom Kaiser eingesetzten Kommissäre schreiben in ihrem Bericht von 1569, der alte Pfarrhof sei abgewohnt und an einem sumpfigen Ort gewesen, wo er bereits eingesunken und baufällig war. Deshalb hätten vergangene Pfarrherren beim Abt Beschwerde geführt und sich geweigert, darin zu wohnen. Auch wollte der letzte Pfarrer nicht eine so große Wirtschaft führen, weil er sonst sein Studium versäume. Also ließ der Abt um 300 Gulden auf einer Anhöhe desselben Grundstücks einen neuen, jedoch kleineren Pfarrhof errichten. Die Gründe und der alte Pfarrhof wurden um 600 Gulden an den Ybbsitzer Bürger Valentin Senner verkauft, der davon jährlich an die Pfarrherrschaft Abgaben zu entrichten hatte. Der nun zwischen Abt und Pfarre geschlossene Vergleich sah vor, dass der neu erbaute Pfarrhof blieb, allerdings ein Viertel der verkauften Gründe zurückgestellt werden sollte und der Abt an die Pfarre 150 Gulden sowie dem Pfarrer jährlich 15 Metzen Korn geben sollte.[25] Der damals verkaufte alte Pfarrhof ist das früher zur Wolfsbacher Pfarrherrschaft gehörige Bauerngut Mair beim Pfarrhof, heute Bubendorf 86. 

Wie in den Aufzeichnungen des ehemaligen Stiftsarchivars P. Martin Riesenhuber[26] aus einem derzeit unauffindbaren Visitationsbericht des Klosterrates zitiert wird, war 1566 ein Mitglied des Seitenstettner Konventes namens Johannes Pfarrer in Wolfsbach. Dieser hatte mit Erlaubnis von Abt Elias das Ordenskleid abgelegt und war Familienvater. Sittenverfall und Missstände der Reformationszeit waren also auch in Wolfsbach eingerissen. Wie aus seinem erhaltenen Testament hervorgeht, fand noch Pfarrer Martin Ainhauser nichts daran, sich öffentlich zu einem Sohn und zwei Töchtern zu bekennen. Sonst dürfte er aber ein tüchtiger und katholischer Mann gewesen sein. Er starb 1625, nachdem er die Pfarre 38 Jahre lang betreut, den Pfarrhof ausgebaut und Schulden von 300 Gulden abbezahlt hatte.[27] Auch sein Grabstein ist in der Vorhalle der Kirche noch zu sehen.

Von den Bauernunruhen des Jahres 1597 sind aus Wolfsbach keine Aktivitäten bekannt, jedoch brannte 1639 der Pfarrhof nieder. Weil man dafür den Pfarrer Johann Schnell und seine Dienstboten verantwortlich machte und ihm deswegen die Pfarre aufkündigte, rechtfertigte sich dieser in einem Schreiben an Abt Plazidus Bernhard und bat um einen ehrenvollen Abschied.[28] Die ab dem Jahr des Pfarrhofbrandes 1639 erhaltenen Matrikenbücher sind wohl auch ein Beleg für das Wiedererstarken der Katholischen Kirche. Aus dem folgenden Jahre 1640 ist im Seitenstettner Stiftsarchiv die Abrechnung über den durch den Brand bedingten Neubau des Wolfsbacher Pfarrhofes erhalten. Die Baukosten beliefen sich auf  1422 Gulden, wovon dem Baumeister (Carl) Martin Carlone 630 Gulden zukamen.[29]

Mit dem im Taufbuch 1644 als Kindsvater angegebenen Georg Gindl ist erstmals ein Wolfsbacher Schulmeister genannt. 1652 gab es in der Pfarre Wolfsbach 850 erwachsene Einwohner, davon waren 847 katholisch. Von den drei Protestanten wurden damals zwei katholisch, nur einer blieb evangelisch.[30] 1710 existierte neben der Kirche eine einklassige Schule, die 1735 vergrößert und zwischen 1770 und 1780 zweiklassig erweitert wurde.[31] Seit 1722 lassen sich jeweils am Montag nach Pfingsten die so genannten Schauerprozessionen nach Krenstetten belegen. Diese Wallfahrt der benachbarten Pfarren, darunter auch Wolfsbach, geht auf ein Gelübde zurück, dessen Anlass ein schwerer Hagel in dieser Gegend gewesen sein dürfte. Wir wissen allerdings nicht, wann dieses Unglück geschah.[32] Nach langen Jahren einer ruhigen Entwicklung brachte der Österreichische Erbfolgekrieg 1741 neue Bedrängnisse. Franzosen und Bayern beanspruchten Kost und Quartier und forderten große Lieferungen an Naturalien. Der Rückzug der Feinde artete in eine wilde Flucht aus, als sich zur Advent- und Weihnachtszeit das Armeekorps Khevenhüllers im Raum Aschbach und Wolfsbach zum Gegenangriff sammelte.[33]

Die Erneuerung des katholischen Glaubens trug besonders im 18. Jahrhundert auch in Wolfsbach ihre Früchte. 21 Wallfahrten, die ein Bericht aus dem Jahre 1771 anführt, sind ein beredtes Zeugnis dafür. Jene glaubensstarke Zeit schuf unter Pfarrer Hieronymus Hueber (1729-1754) auch eine qualitätvolle barocke Kircheneinrichtung, von der freilich die gewiss sehr gut gemeinte Regotisierung 1908 nur das Orgelgehäuse und einige Statuen übrig ließ. Wie eine im Stiftsarchiv erhaltene Rechnung belegt, war schon 1683 um 241 Gulden ein neuer Hochaltar aufgestellt worden.[34] Aus der Reihe der Benediktiner als Pfarrer von Wolfsbach seien nur einige bedeutendere hervorgehoben: 1717-1729 war P. Paul de Vitsch Pfarrer, er wurde danach zum Abt gewählt und vollendete noch knapp vor seinem Tod den barocken Rohbau des Stiftes Seitenstetten. 1777-1781 war hier P. Roman Digl Pfarrer, der zuvor an der Salzburger Universität Professor für Philosophie und Theologie gewesen war. 1806-1818 ist der ausgezeichnete Musiker P. Gregor Hauer in Wolfsbach Pfarrer gewesen. Von seinen Kompositionen sind vor allem eine Messe und eine Operette noch vorhanden.[35]

Vom 19. Jahrhundert bis heute

1805 wurde Pfarrer P. Florian Nasinger von französischen Soldaten derart misshandelt, dass er bald an seinen Verletzungen starb. Manche Schadensliste im Stiftsarchiv lässt erahnen, was die Bevölkerung damals zu erleiden hatte. P. Adalbert Radl, Pfarrer von 1830 bis zu seinem Tode 1843, ließ unter Aufsicht seines Kaplans P. Jakob Wiesinger den Pfarrhof erweitern, wobei die Wirtschaftsgebäude überhaupt neu gebaut wurden. Damals hätte die Chance bestanden, den Pfarrhof in den Ort neben die Kirche zu verlegen. Vor dem Neubau war nämlich vom Besitzer des Ziervogl-Hauses (dem späteren Tempelmayr) dem Pfarrer ein Tausch zwischen Pfarrhof und diesem Haus angetragen worden, was aber aus verschiedenen Gründen nicht angenommen wurde.[36] 1836 wurde das Volkschulgebäude aufgestockt und 1838 der Friedhof erweitert[37] und 1845 erhielt die Kirche einen neuen, nicht mehr so steilen Dachstuhl.[38]

Für die Biedermeierzeit liegt uns die Beschreibung Franz Schweikhardts vor, wonach 1837 im heutigen Gemeindegebiet 2030 Menschen in 294 Häusern lebten. Unter den 13 Handwerkern und Gewerbetreibenden fanden sich drei Wirte, je zwei Hufschmiede und Schuhmacher sowie je ein Bäcker, Fleischhauer, Krämer, Sattler, Wagner und Schneider. Ganz im Sinne der Romantik schreibt Schweikhardt: Die Lage von Wolfsbach besteht aus mehreren namenlosen Hügeln, Thälern und ebenen Strecken, wobei die Gegend durch die bunte, äußerst anmuthige Abwechslung mit Feldern, Wiesen und kleinen Gehölzen, gleichwie künstlich angelegte englische Partien, einen romantischen Charakter erhält. Der Ort wird von den Märkten Strengberg, Oedt, Aschbach, Seitenstetten und St. Peter umgeben, und hat zerstreute Häuser. Die segenspendende Kirche mit einigen Häusern liegt höchst malerisch auf einem Berge, und dieser herrliche Standpunkt gewährt die Aussicht zu dem Stifte Seitenstetten, Aschbach, St. Peter und auf die gigantische steiermärkische Bergkette...[39] Seit dem 19. Jh. ist auch belegt, dass der Wolfsbacher Most weithin geschätzt war.[40]

Die Umwälzungen von 1848 wurden auch durch Wolfsbacher Bauern aktiv mitgetragen. Sie bildeten den Kern einer wilden Rotte, die die Gemächer von Abt Joseph Gündl stürmte. Durch ihren Aufzug vor dem Stift wollten sie ihrer Forderung nach Aufhebung von Zehent und Robot Nachdruck verleihen.[41] Nach der Märzrevolution von 1848 traten an die Stelle der alten Grundherrschaften die drei autonomen Gemeinden Bubendorf, Meilersdorf und Wolfsbach. Die neu gewonnene Unabhängigkeit gab dem Bauernstand Selbstbewusstsein, das sich vor allem in den meist erst von da an zu stolzen Vierkantern ausgebauten Bauernhöfen zeigt. Viele Bauern übernahmen sich dabei aber wirtschaftlich.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden kommunale Einrichtungen, die heute nicht wegzudenken sind: Das Jahr 1858 brachte die Eröffnung der Westbahn, deren ursprünglich geplante Trasse über Hinterberg und Bachlerboden die Wolfsbacher Bauernschaft zu verhindern wusste und zum Dank dafür sogar eine Kirchenfahne stiftete.[42] Dennoch wurde durch die Bahnstation St. Peter-Seitenstetten auch für Wolfsbach die große Welt erschlossen und somit der Zugang zu anderen Arbeitsbereichen, vor allem in der wachsenden städtischen Industrie, eröffnet. 1867 wurde das Postamt Wolfsbach gegründet, 1883 der Postsparkassendienst, 1913 Telegraph und Telefon eingerichtet. Durch das Reichsvolksschulgesetz von 1869 hörte die Bindung der Schule an die Kirche auf – sie wurde von der Gemeinde übernommen. 1877 übersiedelte sie vom Karyhaus Nr. 6 in die neu errichtete Volksschule südlich der Kirche (heute Kindergarten) und wurde dreiklassig. Da mit der Bauernbefreiung auch die Schutzfunktion der Grundherrschaft erloschen war, übernahmen allmählich Selbsthilfeorganisationen die Vertretung bäuerlicher Interessen. So wurde 1889 in Wolfsbach die Vorläuferin der heutigen Raiffeisenkasse gegründet. 1897 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wolfsbach und 1912 jener in Meilersdorf, von 1918 bis 1960 bestand in Wolfsbach auch ein Gendarmerieposten. Auch für die Landwirtschaft blieb die neue Zeit nicht stehen, neue Maschinen setzten sich durch, so war seit 1901 in Wolfsbach eine dampfbetriebene Dresch- und Futterschneidemaschine vom Spätsommer bis zum Winter im Einsatz.[43]

Nachdem schon 1858 der Ottensheimer Josef Breinbauer die erhaltene Orgel mit 16 Registern gebaut hatte, wurde ab 1908, vor allem auf Initiative des damaligen Cooperators P. Hippolyt Otto, die Pfarrkirche einer grundlegenden Restaurierung und Umgestaltung unterzogen. Dabei errichtete man die Stiege auf den Musikchor, die Totenkammer an der Nordseite sowie die über ein Treppentürmchen erreichbare Paramentenkammer über der Sakristei. In die barockisierten Fenster kamen Maßwerk und figurale Glasgemäldefenster. Außer Musikchor und Orgel erneuerte man fast die gesamte Kircheneinrichtung im damals modernen neugotischen Stil. Die Kosten beliefen sich 80.000 Kronen.

Im Ersten Weltkrieg von 1914-1918, starben 47 Soldaten aus Wolfsbach, 16 blieben vermisst. Dem Kriegsende folgten der Untergang der Donaumonarchie sowie Not und Inflation. Trotzdem stimmten Wolfsbach und Meilersdorf 1919 der Elektrifizierung ihres Gemeindegebietes zu und schlossen einen diesbezüglichen Vertrag mit dem Elektrizitätswerk Waidhofen an der Ybbs.[44] Dem Mangel an Kleingeld versuchten die Gemeinden durch Notgeld zu begegnen. Die Wolfsbacher Notgeldscheine zeigen das Relief des Ritters von Meilersdorf auf dem Grabstein in der Kirche. 1920 und 1922 wurden neue Kirchenglocken geweiht und im September 1921 vor dem Schulgebäude ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Weltkrieges enthüllt.

1938 hört mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Einmarsch deutscher Truppen Österreich zu bestehen auf. Die drei ehemals selbständigen Gemeinden Bubendorf, Meilersdorf und Wolfsbach werden zu einer Großgemeinde zusammengelegt, mit der auch das Standesamt verbunden ist. [45]Im Zweiten Weltkrieg, der den Ersten an Dauer, Schrecken und Verlusten bei weitem übertraf, starben 83 Wolfsbacher an der Front, 38 blieben vermisst. Am Christtag 1944 fielen im Bereich zwischen Bubendorf und Loosdorf eine große und zwei kleinere Bomben auf freies Feld. Tieffliegerangriffe auf Züge im Bahnhof St. Peter forderten im März 1944 einige Menschenleben. Ein Massengrab auf dem alten Friedhof erinnert an 14 Konzentrationslagerhäftlinge, die in den letzten Kriegstagen auf den Straßen von Wolfsbach ermordet wurden. Der Krieg endete mit dem Einmarsch der Russen um das Fest Christi Himmelfahrt (10. Mai). Drei Männer kamen in den Wirren dieser Tage um. Bis Ende Oktober lagerten in Wolfsbach zeitweise bis zu 3000 russische Soldaten. Damit war eine sehr große Belastung für die Bevölkerung verbunden und auch Plünderungen standen zu Beginn der Besatzungszeit an der Tagesordnung.

Die Weihe von vier neuen Kirchenglocken war 1948 hoffnungsvolles Zeichen für einen Neuanfang. Nach Aufgabe der pfarrlichen Landwirtschaft wurden vom Stift nicht nur die Gründe sondern überhaupt der gesamte alte Pfarrhof verkauft. 1955 wurde statt des entlegenen alten Pfarrhofes ein neues Pfarrzentrum näher bei der Kirche eröffnet, und 1978 erhielt der neue Gemeindefriedhof an der Haager-Straße die kirchliche Segnung. Die Pfarrkirche wurde 1975 außen und 1982 innen gründliche renoviert. Mitte der 1990iger Jahre konnte in Zusammenarbeit mit der Gemeinde die alte Friedhofmauer erneuert werden, wobei ein nicht geringer Teil des Kirchengrundes an das öffentliche Gut abgetreten wurde. 1997 erhielt die Kirche anstelle des unschönen Blechdaches der Nachkriegszeit wieder eine Ziegeldeckung mit Wiener Taschen und 2003 wurde das Kirchenäußere abermals renoviert.[46]

Seit 2008 sind in Wolfsbach Pfarrkirche und Gemeindeamt Nachbarn, beide liegen an einem neu entstandenen Platz. Das so genannte Tempelmayr-Haus, ursprünglich ein Zehethof des Klosters Erla, war 2006 von der Gemeinde gekauft und abgebrochen worden. Seit 2007 entstand an seiner Stelle ein sehr gelungenes Gemeindezentrum mit Gemeindesaal, Bürgerservice-Räumen, einem Nahversorger und betreuten Altenwohnungen.

Wolfsbach und seine Bedeutung heute

Aschbach und Wolfsbach sind 823 in derselben Urkunde als gleichberechtigte Kirchensprengel nebeneinander genannt und folglich beide Urpfarren. Sie haben jedoch eine völlig unterschiedliche Entwicklung genommen. Während Wolfsbach bis Ende des 19. Jh. ein kleiner Kirchenweiler blieb, statteten schon im 13. Jh. die Babenberger Aschbach mit einem Marktprivileg aus. 2003 erhob der Landtag auf Ansuchen des Gemeinderates auch Wolfsbach zur Marktgemeinde.

Heute ist eine solche Markterhebung nicht mehr als eine Ehrung. Im Mittelalter waren vor allem wirtschaftlich aufstrebende Orte zu Märkten erhoben worden. Im Interesse eines weiteren Aufschwunges (und damit erhöhter Abgaben) räumte man ihnen weitgehende Selbstverwaltung und besondere Privilegien ein. Solche Marktorte waren in der Umgebung Amstetten, Ulmerfeld, Ybbsitz, Aschbach, St. Peter in der Au, Haag und in etwas bescheidenerem Umfang auch Seitenstetten. Diese Orte hatten 1770, als unter Maria Theresia die Hausnummer eingeführt wurden, 100 oder mehr Häuser, deren Architektur teilweise von Wohlstand und Bürgerstolz zeugte. Es gab Dutzende Handwerker und Geschäftsleute, meist auch ein Marktspital, einen Wochen- und mehrere Jahrmärkte. Heute noch sind diese Orte zumindest regionale Wirtschaftszentren und Einkaufsorte.

Nichts davon trifft auf Wolfsbach zu: Um 1830 zählte der Ort erst 7 Häuser. An ihrer Südseite stand die Kirche völlig frei, die in dieser Pfarre gelegenen Bauerndörfer Bierbaumdorf und Loosdorf  hatten mehr Häuser als der Pfarrsitz Wolfsbach. Die damals drei Gasthöfe betrieben Landwirtschaften und waren Vierkanthöfe, wie die Bauernhäuser der Umgebung. Ursprünglich war Wolfsbach also eine typische bäuerliche Streusiedlung ohne eigentlichen Hauptort. Auch im 20. Jahrhundert kam es zu keinem Aufschwung, durch den Wolfsbach den Märkten der Umgebung gleichgekommen wäre. Zwar waren Ende des 19. Jh. im Ort einige Häuser gebaut worden, dann aber wurden in den letzten Jahrzehnten Geschäfte, wie es sie früher in jedem Pfarrdorf mehrfach gab, geschlossen, ebenso Kino, Gendarmerieposten und Post. Als auch um Wolfsbach Siedlungen entstanden, war dies weitab vom Ortskern. Strukturell unterscheidet sich Wolfsbach also nicht von den Landgemeinden seiner Umgebung. Wenn ihm 2003 trotzdem die ehrende Ernennung zur Marktgemeinde zuteil wurde, dann hat das wohl vor allem historische Gründe.

Was Wolfsbach jedoch über die Orte der Umgebung herausragen lässt, ist das hohe Alter der Urpfarre, zu deren Töchtern auch das heuer 900jährige Seitenstetten zählt. Was diesen Ort unter den Weilern der Umgebung auffällig machte, ist seine dominante Kirche, die teilweise viele Kilometer weit zu sehen ist. In der neugotischen Einheitlichkeit ihrer Ausstattung und mit den qualitätvollen Resten einstiger gotischer und barocker Herrlichkeit ist die Wolfsbacher Pfarrkirche heute ein eindrucksvolles Zeugnis für die schon so viele Jahrhunderte währende Bereitschaft der Bevölkerung ihre Kirche zu erhalten und zu pflegen. Auch sind es heute nicht mehr viele Kirchen, in denen tagtäglich, so wie in Wolfsbach, das heilige Opfer gefeiert wird. Möge dieses Zeugnis des Glaubens den kommenden Generationen Einladung und Mahnung sein, so wie ihre Vorfahren auch in ihrem Leben die Aufgabe zu sehen, dass in allem Gott verherrlicht werde.[47]

Sehenswürdigkeiten
Dorfkapelle wolfsbach.jpg

Spätgotische Kirche

Erstmals erwähnt im Jahre 850, dem Hl. Vitus geweiht; Kreuzigungsgruppe und sehr schöne Statuen. Im Inneren der Kirche-an der Nordwand ist eine Relief-Grabplatte des Ritters von Meilersdorf angebracht. Die aus rotem Marmor gefertigte Darstellung zeigt den Ritter in Rüstung mit offenem Visier sowie Wappen und Familienbanner.

Einkehr in der Dorfkapelle zum Hl. Geist

Im Jahr 2003 wurde in Zusammenarbeit zwischen Gemeinde Wolfsbach und dem örtlichen Kulturverein (in Folge der Zuerkennung des Kultur-Anerkennungs-preises des Landes NÖ im Jahr 1999 – Franz-Stangler-Gedächtnispreis) die Dorfkapelle nach einem Entwurf von DI HR Friedrich Fischer erbaut. Die im zeitgemäßen Stil errichtete Kapelle ist dem Hl. Geist geweiht (Glasscheibe mit logarithmischer Taube und den 7 Gaben des Hl. Geistes) und mit dem Kunstprojekt „Full House“ von Manfred Erjautz ausgestattet, das vom Land NÖ gefördert wurde und in etwa 100 Glaskuben ein „Familienbild der Gemeinde Wolfsbach“ zur Jahrtausendwende zeigt.

Flurdenkmäler in Wolfsbach

Kontakt

Gemeindeamt Wolfsbach Kirchenstraße 2 3354 Wolfsbach Tel. 07477/8240 Fax. 07477/8240-15 E-mail: gemeinde@wolfsbach.gv.at

Bürgermeister Franz Sturm Tel. 07477/8240-14 Mobil: 0664/8459360 E-mail: franzsturm@wolfsbach.gv.at

Amtsleiter Florian Kammerhuber Tel: 07477/8240-13 E-mail: kammerhuber@wolfsbach.gv.at

Parteienverkehrszeiten: Montag - Freitag 08.00 - 12.00 Uhr Montag 13.00 - 19.00 Uhr

Bürgermeistersprechstunden: Montag 17.00 - 19.00 Uhr

Weiterführende Links

http://www.wolfsbach.gv.at

Referenzen

  1. Webseite Marktgemeinde Wolfsbach
  2. P. Jacobus Tisch OSB
  3. Heinrich Weigl, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich (8 Bände, Wien 1964-1980), Bd. 7, S. 160f.
  4. Wagner P. Benedikt, DieAnfänge Seitenstettens, in: Franz Überlacker(Hg.), Österreichs Wiege – Der Amstettner Raum III. Beiträge zur Babenbergerzeit, Amstetten 1976, S. 55, Anm. 59
  5. P. Jacobus Tisch, Pfarrkirche St. Vitus in Wolfsbach. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 463, Salzburg 2007, S. 2.
  6. Wagner, Anfänge, S. 49
  7. P. Benedikt Wagner, Die Pfarre Aschbach im Mittelalter, in: Josef Schlöglhofer (Hg.), Aschbach, Aschbach 2003, S. 249 – 282, bes. 250 f.
  8. P. Benedikt Wagner, Die Pfarre Aschbach im Mittelalter, in: Josef Schlöglhofer (Hg.), Aschbach, Aschbach 2003, S. 249 – 282, bes. 250 f.
  9. P. Benedikt Wagner, Die Pfarre Aschbach im Mittelalter, in: Josef Schlöglhofer (Hg.), Aschbach, Aschbach 2003, S. 249 – 282, bes. 250 f. vgl. auch P. Benedikt Wagner, Aus der Geschichte der Pfarre Wolfsbach, Wolfsbacher Pfarrbrief, Sondernummer, Juli 1973
  10. Unechter Stiftbrief für Erla und echte Bestätigung durch Bischof Konrad von 1151 in: Maximilian Weltin (Hg.), Urkunde und Geschichte, Niederösterreichische Landesgeschichte im Spiegel der Urkunden seines Landesarchivs, St. Pölten 2004, S. 13-21, Nr. 4 und 4a
  11. Wagner, Anfänge, S. 56, bes. Anm. 62a
  12. Wagner P. Benedikt, Kirche und religiöses Leben an der Wiege Österreichs im Mittelalter, in: Jahresbericht des öffentlichen Stiftsgymnasium der Benediktiner in Seitenstetten 1995/96, S. 116 f.
  13. P. Isidor Raab, Urkundenbuch des Benedictiner-Stiftes Seitenstetten, Fontes Rerum Austriacarum II 33, Wien 1870, S. 4 f., Nr. 3
  14. Raab, S. 7, Nr. 5
  15. Wagner, Aus der Geschichte der Pfarre Wolfsbach
  16. Raab, S. 8, Nr. 6
  17. Raab, S. 312 ff., Nr. 276
  18. Raab, S. 361, Nr. 311
  19. StAS, Urkunde Nr. 10/15 Jh.; genau genommen erhielt der Pfarrer Petrus 1401 die päpstliche Erlaubnis, auf seine Pfarre zu Gunsten des Stiftes zu resignieren. Er dürfte aber 1403 als Pfarrer von Wolfsbach gestorben sein (StAS, Urkunde Nr. 12/15. Jh.).
  20. StAS, Urkunde Nr. 115/15 Jh.
  21. StAS, Urkunde Nr. 281/15 Jh.
  22. StAS, Kart. 1 B, Fasz. A 35
  23. Wagner, Aus der Geschichte der Pfarre Wolfsbach
  24. Wagner, Aus der Geschichte der Pfarre Wolfsbach
  25. StAS, Kart. 48 A
  26. StAS, Karton auf Kasten X, Notizen des P. Martin Riesenhuber über Wolfsbach
  27. StAS, Kart. 48 A
  28. StAS, Kart. 48 A
  29. StAS, Kart. 48 B; Es muss sich um Carl Martin Carlone handeln. Er wurde 1616 geboren und starb am 13. IV. 1667 in Wien, wo er kaiserlicher Baumeister war. 1665 erhält er wegen der Erbauung des Postamentes der Mariensäule am Hof 1000 Gulden, seine Erben 1667 weitere 600 Gulden. Vgl. Thieme Ulrich – Becker Felix (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig 1907 ff., Bd. VI, S. 5
  30. Manfred Enzner und Eberhard Krauß, Exulanten aus der niederösterreichischen Eisenwurzen in Franken, Nürnberg 2005, S. 170
  31. Schadauer Rosina, Gemeinde Wolfsbach, in: Verein zur heimatkundlichen Forschung im Bezirk Amstetten (Hg.), Die Gemeinden des Amstettner Raumes. Von der Vergangenheit zur Gegenwart, Amstetten 1988, S. 180
  32. Wagner P. Benedikt, Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frauen Himmelfahrt in Krenstetten, Kirchenführer, Salzburg 1997, S. 4
  33. Schadauer, Wolfsbach, S. 177; dazu auch: Ortmayr P. Petrus – Decker P. Aegid, Das Benediktinerstift Seitenstetten, Wels 1955, S. 250 ff.
  34. StAS, Kart. 48 B
  35. Wagner, Aus der Geschichte der Pfarre Wolfsbach
  36. Memorabilienbuch der Pfarre Wolfsbach, bzw. Wolfsbacher Pfarrbrief, 36. Jg., Nr. 3, S. 6.
  37. StAS, Karton auf Kasten X, Notizen des P. Martin Riesenhuber über Wolfsbach
  38. Memorabilienbuch
  39. Schweikhardt von Sickingen Franz, Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns, Bd. 9, V.O.W.W., Wien 1837, S. 277 f.
  40. Schadauer, Wolfsbach, S. 178
  41. Schadauer, Wolfsbach, S. 178
  42. Karl Forster, Wolfsbach zwischen 1848 und 1918, in: Wolfsbacher Kultur- und Freizeitverein (Hg.), Heimat Wolfsbach, Wolfsbach 1997, S. 49.
  43. Schadauer, Wolfsbach, S. 180; Forster, Wolfsbach, S. 49
  44. Kammerhuber Johann, Wolfsbach – Meilersdorf – Bubendorf von 1900 bis 1938, in: Heimat Wolfsbach, Wolfsbach , S. 53 f.
  45. Kammerhuber Johann, Aus der Gemeindestube von Wolfsbach, in: Heimat Wolfsbach, S. 73
  46. Tisch, Pfarrkirche St. Vitus, S. 6.
  47. P. Jacobus Tisch OSB




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