Sortenbeschreibungen von reinsortigen Mosten

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Die „Sortenreinen“ kommen!

Dass Most nicht gleich Most ist, hat so mancher Genießer vielleicht selber herausgefunden. Gerade in jüngster Zeit gibt es eine recht dynamische junge Mostbewegung, die mit speziellen Produkten neue Märkte erschließt.Traditionellerweise wurde in den meisten Mostgegenden ein Mischlingsmost erzeugt. Im Mostviertel war das immer einer mit einem ziemlich hohen Birnenanteil. Dazu kam dann oft ein Apfelmost als „Spezialität“, und in besonders guten Mosthäusern gab es noch ein oder zwei reinsortige Moste (z.B. den Landlbirnmost).

Wir erleben eine Entwicklung zu immer mehr reinsortigen Mosten - inspiriert durch die guten Wein-Sortenkenntnisse vieler Konsumenten und gefördert durch die stete Suche nach dem Neuen, Besonderen und Einzigartigenerleben wir nun eine Entwicklung zu immer mehr reinsortigen Mosten. Diese Entwicklung bringt für den Konsumenten auch mehr Sicherheit beim Einkauf. Hatte er bisher vor allem auf „seinen“ Mostbauern vertraut, kann er nun davon ausgehen, dass ein Speckbirnen-Most  auch 10 km weiter  ganz ähnlich schmeckt wie gewohnt. eher mild, säurearm und intensiv duftend sein wird, der Landlbirnen-Most kräftig und vollmundig, sowie der Most von der Grünen Pichlbirne eher resch mit einer grasigen frischen Kräuternote. Dazu kommt die Freude, hin und wieder einen „Neuen“ nach Hause zu bringen, den garantiert noch keiner vorher getrunken hat.

 Eine kurze Beschreibung der typischesten wichtigsten Sorten soll Ihnen eine kleine Orientierungshilfe geben. Ihre Lieblingssorte sollten Sie trotzdem selber nach Ihrem ganz persönlichen Geschmack herausfinden.[1]

Die Geschmackseinteilung der Mostsorten in „mild“, „halbmild“, „kräftig“ und „resch“ geben nur Anhaltspunkte, denn jeder Mostproduzent hat sein eigenes Press- und Verarbeitungsverfahren. bzw. baut seine Moste auch verschieden aus (trocken oder mit Restsüße). Manche Mostsorten können dabei auch in andere Kategorien rutschen. Die hier beschriebenen Sorten sind nach „trockenem“ Ausbau eingeteilt.

Inhaltsverzeichnis

Birnenmoste

milde bis halbmilde Moste

Knollbirnenmost

grünlich gelbe Farbe, frischer Birnenduft, zart am Gaumen (kann leichte Johannisbeernoten haben) mild und harmonisch im Körper, leichter, süffiger Most

Speckbirnenmost

sehr helles Gelb, frisch in der Nase, zarter, feiner Birnenton(erinnert teilw. an Erdbeere od. ganz leicht an Holunderblüten), fein strukturierter Fruchtkörper mit feiner Säure, mit Restzucker versehen werden die Vorzüge des Mostes noch hervorgehoben

Schweizer Wasserbirnenmost

hellgelbe Farbe, zartfruchtig in der Nase, eleganter, ausgewogener Körper, keine dominante Säure, mit ein wenig Restsüße ist dieser eher säurearme Most ein idealer Einstiegsmost.

Rote Pichelbirnenmost

grünlich gelbe Farbe, intensiver Duft (an Beeren erinnernd), intensiv ausgeprägter Fruchtkörper, spürbares Säurespiel, Gerbstoff eher im Hintergrund, wuchtig und lang im Abgang

Stieglbirnenmost

hellgelb in der Farbe, typ. Birnenaroma in der Nase, angenehmen Säure am Gaumen feinfruchtiger Körper, zählt durch seine milde Würze zu den sehr eleganten Birnenmosten

Die Stieglbirne zählt zu den spätesten Sorten und gibt durch ihre feinen Äste mit den kräftig gelb schimmernden, nicht all zu großen Birnen, dem Naturfreund ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Birnensorten bei einem sonnigen Herbstspaziergang. Ein edler, hell gelber Most mit animierendem Zucker : Säureverhältnis, mit feinfruchtigem, an reife Birnen erinnernden  Duft, besticht noch vor dem Kosten in der Nase neugierige Genießer. Dieser Most ist bekannt für seine leichte Säure und nicht all zu hohen Alkoholgehalt, weswegen seine milde – fruchtige Würze vor allem bei jüngeren Mostfreunden große Anerkennung findet.[2]

Blutbirn-Most

hellgelb mit grünen Reflexen, Sauvignon-Note, etwas rauchiges Aroma, guter Trinkfluss, gute Balance, fruchtbetonter Abgang mit Zitrusfrüchten[3]

kräftige bis resche Moste

Landlbirnenmost

gelbe bis strohgelbe Farbe, sehr fruchtig (typ. an Walderdbeeren erinnern) in der Nase und im Körper, deutlich spürbare Säure, merkbarer Gerbstoff, typ. leichter Bitterton im Abgang. Besonders körperreich

Rosenhofbirnenmost

gelbe bis strohgelbe Farbe, birnig, kletzig in der Nase (kann auch einen leichten Beerenton aufweisen) eher kräftiger Körper mit spürbaren Gerbstoff und betonter Säure

Von hohen, aufrecht wachsenden Mostbirnbäumen fällt diese grüne, mit rot-braun gefärbten Wangen versehen Birne. Höhere Gerbstoffgehalte sind sortentypisch, u. prägen auch die intensive strohgelbe Farbe des beim Pressen sehr süß abfließenden Saft, welcher nach sorgfältiger Kellerarbeit den unverkennbaren birnig-kletzigen, zart bitteren Rosenhofbirnenmost entstehen lässt. Er zählt zu den kräftigeren, mit lebendiger Säure betont, angenehm herben Mosten, welcher im Abgang auf einen dezenten Bitterton als typisch für seine Charakteristik, hinweisen kann.[4]

Dorschbirnenmost

Goldschimmernde Farbe, typische feine Holunderblütennote in der Nase und am Gaumen , kann am Gaumen auch lemonige Noten aufweisen, säurebetont, leichter Gerbstoff erwünscht, lang im Abgang, Restsüße bringt ein holundriges Erlebnis im Abgang.

Grüne Pichlbirnenmost

gelbe bis grüngelbe Farbe, würziger Birnenton in der Nase, sehr voll im Körper, leichter Gerbstoff erwünscht und sortentypisch, säurebetont, kräftig resche, intensiv birnige Gesamterscheinung[5]

Rote Pichlbirnenmost

grün-gelbe Farbe, intensiver Duft (an Beeren erinnernd), intensiv ausgeprägter Fruchtkörper, spürbares Säurespiel, Gerbstoff eher im Hintergrund, eine leichte Restsüße puscht den körperreichen und wuchtigen Abgang

Diese gelb-grüne Birne mit einer sonnseitig roten Backe liefert einen sehr fruchtigen, grünlich gelben Most, der für Liebhaber dieser Sorte, einen wunderbaren und typischen Duft nach Waldbeeren in die Nase strömen lässt. Eine verspielte Säure begleitet elegant die komplexen Aromen durch Gaumen und Nase, und so kommt es nicht von ungefähr, dass der Rote Pichlbirnenmost heute bei Produzenten und Kennern zum Muß in deren Mostothek zählt, viele lieben ihn mit leichter Restsüße. Auch aus diesem Grund zählt diese Birne zur begehrtesten Dörrbirne, Kletze.[6]

Grüne Winawitzbirnenmost

gelblich in der Farbe mit leichten Grünreflexen, voller intensiver Fruchtkörper in der Nase (an Beerenaromen erinnernd), elegante, reintönige Birnenaromen erfüllen den Gaumen, Restzucker verlängert einen fruchtigen und komplexen Abgang.

„Fasslbirne“   so der witzige Synonymname für diese grün-gelbe Birne, bezeichnend für ihre Form, welche früher die Bauersleute schon beim Klauben an die noch zu füllenden Fässer im Keller erinnerten. Der etwas höhere Zuckergehalt bringt neben einem höheren Alkoholgehalt einen gelben, mit Grünreflexen versehenen, glänzenden Most, welcher erst nach erfolgter Reifephase eine ausgeprägte, dichte, sehr Gaumen erfüllende, an Sonnen reife Beeren erinnernde Aromatik zu Tage bringt. Gerne wird er von Spitzenmostereien mit leichtem Restzucker ausgebaut, er verleiht dem ohnehin sehr fruchtigen, komplexen Most im Abgang einen Nachhall, der seinesgleichen sucht.[7]

Gelbmostler Birnenmost

Diese gelblich-grüne, kugelige Birne setzte sich in manchen Mostregionen im Anbau nicht nur wegen der schönen Größe (5-6cm) durch, erlaubt ein zügiges klauben, sie liefert zudem einen sortentypischen, leicht kräuterig-grasigen, hellgelben bis strohgelben Most. Seine etwas erhöhten Gerbstoffe u. die geringere Säure, stellen die Mostbauern jedes Jahr erneut vor eine kellertechnische Herausforderung, welche aber nach kurzer Fasslagerung, einen leichten, dezenten Birnenmost als Bauers Lohn heranreifen lässt. Unter Schnapsgenießern ist sie ein Geheimtipp für sehr würzige, animierende Mostbirnenbrände.[8]

Apfelmoste

eher kräftig gelbe Farbe, feine, weinähnliche Frucht in der Nase (erinnernd an Ananas/Banane),
liegt elegant meist trocken am Gaumen mit einem vollen aber schmalen Körper (d.h. er ist nicht so anhaltend wie die meisten Birnenmoste),
passt aber mit leichter Restsüße zu vielen Speisen, im Abgang mit einem typischen nicht aufdringlichen Säurespiel[9]

Jonagold Apfelmost

Duft: fein säuerlich, frische apfelige Noten bis blumig
Geschmack: mild, rund, klarer Apfel, im reifen Zustand zarte Honignuancen[10]

zitronengelb in der Farbgebung, nach Heublumen und Kamillenblüten duftend, frisch-säuerlich, apfelig, leicht grasig, dezent exotisch[11]

Braeburn Apfelmost

(stark von Klonen abhängig)
Duft: frisch apfelig bis brennesselartig, Zitrus
Geschmack: pikant, fein säuerlich, Apfel bis grasige/zitrusartige Noten[12]

zartgelbe Farbgebun, leicht grasige Note, pfefferig, mineralisch, fehr feines Säurespiel, mittellanger Abgang[13]

Gala Apfelmost

(stark von Klonen abhängig)
Duft: fruchtig apfelig bis zart blumig
Geschmack: ausgewogene Säurestruktur, aromaintensiv nach Apfelschalen[14]

Brünnerling Apfelmost

(als Streuobstapfel)
Duft: kräftig apfelig, robust und korpulent, leicht "stahlig"
Geschmack: fein-herb, intensive Apfelschale bis an Apfelmus erinnernde Aromen[15]

Kronprinz Rudolf Apfelmost

Duft: intensiv nach grünem Apfel und Zitrusfrüchten
Geschmack: an Apfelmus und gegartes Obst erinnernd, erfrischende Säure[16]

Bohnapfelmost

Duft: weichere Noten nach reifen Äpfeln bis hin zu birnigen Anklängen
Geschmack: kräftig-intensiv, an Birnen erinnernd, auch mit Aromen nach Apfelmus und Bratapfel[17]

Boskoop Apfelmost

Duft: samtig-weiche Aromen nach reifen Äpfeln sowie Birnen
Geschmack: auch der Geschmack wird von Aromen nach Birnen sowie Apfelmus bestimmt[18]

Florina Apfelmost

hellgelb, exotischer, würziger Duft, etwas Litschi, schönes Säure-Restzucker-Spiel, pfefferig, langanhaltender Abgang[19]

Einzelnachweise

  1. Mostbaron & Mostsommelier Toni Distelberger
  2. Obstbaureferent Ing. Andreas Ennser
  3. Christian Winklehner
  4. Obstbaureferent Ing. Andreas Ennser
  5. Most & Kost Leitfaden (c) Moststraße
  6. Obstbaureferent Ing. Andreas Ennser
  7. Obstbaureferent Ing. Andreas Ennser
  8. Obstbaureferent Ing. Andreas Ennser
  9. Obstbaureferent Ing. Andreas Ennser
  10. Dipl.-Päd. Birgit Puntigam, Mitarbeiterin Landwirtschaftkammer OÖ
  11. Christian Winklehner
  12. Dipl.-Päd. Birgit Puntigam, Mitarbeiterin Landwirtschaftkammer OÖ
  13. Christian Winklehner
  14. Dipl.-Päd. Birgit Puntigam, Mitarbeiterin Landwirtschaftkammer OÖ
  15. Dipl.-Päd. Birgit Puntigam, Mitarbeiterin Landwirtschaftkammer OÖ
  16. Untersuchungsergebnisse der Bundesanstalt für Weinbau in Eisenstadt
  17. Untersuchungsergebnisse der Bundesanstalt für Weinbau in Eisenstadt
  18. Untersuchungsergebnisse der Bundesanstalt für Weinbau in Eisenstadt
  19. Christian Winklehner
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