Ferschnitz

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Ferschnitz
Flugaufnahmeferschnitz1.jpg
Lage Wappen
Lage Ferschnitz.jpg
Wappen Ferschnitz.jpg
Lage in Google Maps Gemeinde-Website
Gemeindedaten
Bezirk: Amstetten
Gerichtsbezirk: Amstetten
Katastralgemeinden: Ferschnitz, Innerochsenbach
Fläche: 15,54km2
Einwohner: 1663 (Stand: 1.1.2011)
Höhe: 282 m
Vorwahl: 07473
Postleitzahl: 3325
Koordinaten: 14°59´22´´ östliche Länge 48°5´42´´ nördliche Breite
Gemeindekennziffer: 30512
Amtliche Adresse:

Marktplatz 1; 3325 Ferschnitz

Bürgermeister: Johann Berger
Weitere statistische Daten


Inhaltsverzeichnis

Über Ferschnitz

Am Ostrand des Bezirkes Amstetten, grenzend an Scheibbs und Melk, liegt die Marktgemeinde Ferschnitz. Die Lage ist äußerst günstig, bilden doch der Ferschnitzbach und der große Bruder, die Ybbs, eine abwechslungsreiche mit Hügeln, Wäldern und Auen durchzogene Landschaft. Biegt man von der B1 Richtung Ferschnitz ab und überquert bei der sogenannten Hohen Brücke die Ybbs, befindet man sich bereits in Freidegg. Hier stand auf der Anhöhe einst das herrschaftliche Schloss "Freydegg". Der Markt mit seiner Pfarrkirche liegt mitten im Gemeindegebiet. Hier teilen sich die Straßen: Eine führt über die Günzinger Brücke zur A1, während es südlich zum Schloss Senftenegg geht.

Die Gemeinde Ferschnitz bietet heute zahlreiche Möglichkeiten zu Freizeitaktivitäten: Es gibt z.B. ein Freizeitzentrum, einen Golfplatz mit 18-Loch, einen Sportplatz und noch vieles mehr. Ergänzt wird das Angebot durch das rege Vereinsleben, wo für fast alle Alters- und Interessensgruppen etwas dabei ist.

In den vergangenen Jahren hat sich Ferschnitz vor allem als Wohngemeinde bewiesen. Aufgrund der günstigen Lage (Nähe zur Autobahn und zu Amstetten), der landschaftlichen Abwechslung und der umfangreichen Nahversorgerangebote, so konnte die Gemeinde in den letzten Jahren mehrere Neubauten verzeichnen.

Ferschnitzer Geschichte

Ortsentstehung

Der Ortsname Ferschnitz leitet sich von seinem, quer durch das Gemeindegebiet zur Ybbs fließenden Bach ab. Dieser wurde schon 1034 in einer Urkunde „Phezniza“ genannt. Der Name des Ferschnitzbaches ist slawischen Ursprungs und wird als „die Rasende“ oder auch „Birkenbach“ gedeutet.

Der Ort Ferschnitz dürfte im 12. Jahrhundert entstanden sein. Die erste urkundliche Erwähnung fällt 1345 in einem Kaufvertrag. Zu dieser Zeit und später üben die Herrschaftsbesitzer von Freidegg, Zelking und Streun, großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes Ferschnitz aus ([1]).

Schloss Freidegg (Freydegg) im Zusammenhang mit dem Markt Ferschnitz

Der bedeutendste Herrschaftsbesitzer zu Freidegg war wohl der aus Hartenstein in der Wachau stammende Reichard Streun. 1538 dort geboren und von protestantischen Hofmeistern erzogen, kam er mit 16 Jahren zum Studium nach Padua und Straßburg. 1564 trat er in den Staatsdienst ein, wo er trotz Zugehörigkeit zum protestantischen Glauben rasch Karriere machte. Wie Urkunden bezeugen, war der junge Streun mit Erzherzog Karl und dem späteren Kaiser Maximilian II. sehr gut befreundet. Er hieß bald Kaiserlicher Rat, n.ö. Landesrechtsbeisitzer und als Maximilian II. den Thron bestieg, wurde er Hofrat. Zwei Jahre später war er Gesandter und 1576 wurde er im Alter von 28 Jahren Hofkammerpräsident, also Finanzminister.

Streun erwählte ab 1575 Freidegg zu seinem Lieblingssitz, den er von Grund auf neu baute. Wie Freidegg ausgesehen haben mag, zeigt uns etwas später die Vischer-Topographie (1672) in einem Kupferstich. Es soll eines der schönsten Renaissanceschlösser gewesen sein, mit 5 Gebäuden, 6 Türmen und einem herrlichen Garten. Freidegg soll der Schallaburg an Größe und Schönheit ähnlich gewesen sein.

Nach dem Tod seiner ersten Gattin und nach Ablauf des Trauerjahres, heiratete Streun 1581 Regina Tschernembl. Zur Hochzeit, die in Freidegg mit viel Prunk stattfand, waren viele Gäste aus der Adelsgesellschaft gekommen. Doch als der Landmarschall (vergleichbar mit dem Landeshauptmann) Hans Willhelm von Roggendorf das Zeichen zum Schluss der Tafel gab, fing der Boden unter den Füßen an zu wanken und stürzte mitsamt der 88 zählenden Gästeschar in das darunter liegende Stockwerk. Es gab Tote und Verletzte.
Freidegg nach vischer.jpg

Streun vermittelte zu Beginn der Gegenreformation zwischen den protestantischen Ständen und dem katholischen Kaiserhof, fuhr zum Reichstag nach Augsburg und arbeitete noch an zahlreichen Geschichtswerken.

Auf die Fürsprache von Reichard Streun erhielt der Ort Ferschnitz 1589 das Marktrecht. Reichard Streun starb am 8. November 1600 in Freidegg im 63. Lebensjahr.

Nach Streuns Tod ging es mit der Herrschaft Freidegg rasch bergab. Er hinterließ seiner Frau eine arge Schuldenlast. Nach dem Ableben von Regina Streun im Jahre 1617 wurde der Besitz verkauft und wechselte rasch die Besitzer, bis er 1678 an die Familie Starhemberg kam und bis 1937 in deren Besitz verblieb. 

So kam es, dass von dem einst luxuriösen Adelssitz mit wehrhaften Mauern, Türmen, Wandelgängen, Fresken und Galerien, heute nur mehr ein kleiner Torturm und ein Teil des Wirtschaftsgebäudes geblieben sind. Das letztere wurde restauriert und befindet sich mit dem Turm in Privatbesitz ([2]).

Weitere Entwicklung des Marktes von 1678 bis zum 2. Weltkrieg

Die Türken rüsteten und kamen am 18. Juli 1683 in das Gemeindegebiet. Sie dürften den Befestigungen des Schlosses Freidegg nicht sehr nahe gekommen sein, jedoch wurden im Gemeindegebiet einige Personen getötet, entführt und nachweislich wurde der Maierhof angezündet.

Die Franzosen kamen 1800/1, 1805 und 1809. Sie lagerten am Christtag des Jahres 1800 mit 6000 Mann mit 85 Lagerfeuern westlich des Marktes ([3]).

Das Revolutionsjahr 1848 brachte für ganz Österreich und somit auch für die Gemeinde Ferschnitz eine politische Neuordnung. Zwei Jahre später erhielt der Ort seinen ersten Bürgermeister, dessen Angelobung mit sämtlichen Gemeinderäten in der Pfarrkirche stattfand. Die aus der Reformationszeit bestehende Volksschule bei der Kirche wurde im Jahre 1879 endgültig von einer neuen Volksschule abgelöst, welche heute als Mehrzweckhaus der Gemeinde dient ([4]).

Um die Jahrhundertwende gab es nicht nur in der Landwirtschaft aufgrund der Industrialisierung Aufbruchstimmung ([5]). Es entstanden auch viele Institutionen und Vereine. So wurde im April 1870 ein Postamt mit Fahrpost errichtet ([6]), 1888 ein Landwirtschaftliches Casino eröffnet, im Juni 1894 der „Spar- und Darlehenskassenverein“ gegründet. Die Freiwillige Feuerwehr entstand 1896 ([7]). Ab 1901 gibt es vom Berufsfotografen Josef Werner erste "Photographien" aus der Gemeinde vom „Maschindreschen“ und von Hochzeiten ([8]).

Der Erste Weltkrieg forderte viele Menschen an der Front, weshalb 1921 ein Denkmal für die Opfer errichtet wurde. Im Rahmen des ersten und zweiten Weltkrieges mussten die Kirchenglocken für Kriegszwecke eingeschmolzen werden. In der Zwischenkriegszeit war das Geld knapp. Als Ersatz ließen Gemeinden Notgeldscheine drucken, diese wurden in Ferschnitz von einem Künstler besonders fein ausgeführt ([9]). Nach vielen politischen Auseinandersetzungen kam es zum Einmarsch Adolf Hitlers. Bei der Volksabstimmung für die „Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ sorgte unter den „Ja“-Kreuzen ein leerer Stimmzettel für Aufregung. Es folgten neue Durchführungsbestimmungen in der Gemeinde und der Aufbau der NSDAP.

Wieder mussten viele Männer Kriegsdienst leisten. Von Ferschnitz aus konnte man die Bombardierungen in Amstetten verfolgen sowie die Angriffe auf die Westbahn hören und sehen. Unkontrolliert abgeworfene Bomben fielen bei uns 1945 in Innerochsenbach, Windischendorf und Umberg.

Bald zogen riesige Flüchtlingsströme durch unsere Dörfer in Richtung Westen. Nahezu nahtlos ging die Besetzung am Dienstag, dem 8. Mai 1945 abends von den Deutschen Truppen zur Roten Armee über. Letztere rückte aus Richtung Steinakirchen am Forst in unsere Gemeinde ein, wobei noch auf der Anhöhe des Senfteneggerberges einige russische Panzer auf die abrückenden, aber keinen Widerstand leistenden Deutschen Truppen, Schüsse abfeuerten ([10]).

Nachkriegszeit bis heute

Gemeindeleben

Das erste Mal tagten die Gemeinderäte von Ferschnitz am 9. Juli 1945. Sie befassten sich mit den Vermögenswerten der Gemeinde (Kapital und in Beschlag genommene Einrichtungsgegenstände der NSDAP und deren Gliederungen); weiters die dringlichen Aufgaben: Ernährung, Aufbringung von Brotgetreide, Brennmaterialbeschaffung und die Besoldung des Bürgermeisters. Auch bei der zweiten Gemeinderatssitzung am 14. September bildeten die Lebensmittelversorgung, die Ablieferung von Milch, Kartoffel und Getreide Hauptpunkte der Tagesordnung.

Als erste der Parteien formierte sich die ÖVP-Ortsgruppe, die Gründung des Österreichischen Jugend Bundes (heutige JVP) folgte kurz darauf ([11]).

Im Jahre 1958 erfolgte die Gründung der Ortsgruppe des Österreichischen Kameradschaftsbundes und die Weihe der beiden Tafeln mit den Namen der im zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten. 2005 wurde das Kriegerdenkmal von vielen Freiwilligen restauriert, wodurch es noch heute ein wichtiger Bestandteil des Ferschnitzer Ortsbildes ist ([12]).

Die Einführung der Müllabfuhr wurde 1961 für das Marktgebiet organisiert.

Die Gründung einer Musikschule erfolgte 1966, des Sportvereines 1971, 1972 des Musikvereines sowie 1976 des Verschönerungsvereines. Diese bilden heute noch die Grundlagen für ein blühendes Vereinsleben in der Gemeinde ([13]).

Im Rahmen der Eröffnung des Gemeindezentrums (1979) wurde erstmals eine kurze Zusammenstellung der Gemeindegeschichte vorgestellt ([14]).

1988 trat die Gemeinde Ferschnitz dem Musikschulverband Blindenmarkt (heutige Musikschule Ybbsfeld) bei.

Tausende Gäste feierten im September 1989 „400 Jahre Markt“. Gleichzeitig fand die Präsentation der 512 Seiten starken Ferschnitzer Chronik, verfasst von Gottfried Langeder, statt. (zurzeit erhältlich über das Gemeindamt Ferschnitz, Kosten: € 29,-). Erstmals war dies eine Zusammenfassung der Geschichte des Marktes in Buchform. Radio 4/4 übertrug live aus Ferschnitz.

1991 wurden die ersten Kulturtage der Marktgemeinde veranstaltet, die Eröffnung des Golfplatzes fand statt und Ferschnitz wurde jugendfreundlichste Gemeinde.

„Endlich war es geschafft“. Nach vielen Spitzenplätzen bei der Aktion „NÖ im Blumenschmuck“ war es im Jahr 2000 höchste Zeit für den 1. Landesplatz. Ein verdienter Preis für die jahrelange Blumenpflege, für den sich viele freiwillige Helfer des Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereines sowie Hausbesitzer bemühten und auch die Gemeinde manche Unterstützung bot.

Aufgrund der Volkszählung 2001 rangierte die Gemeinde Ferschnitz mit über 13,9 % Bevölkerungszuwachs an der Spitze des Bezirkes. Die Einwohnerzahl erreichte 1601. Ausschlaggebend für dieses tolle Erfolgsergebnis ist die rege Siedlungstätigkeit im privaten Wohnbau wie auch bei Eigentumswohnungen. Ergänzend dazu kommen Aspekte wie günstige Baugründe, intakte Nahversorgung und günstige Verkehrsverbindung.

Sieben Gemeinden aus den Bezirken Amstetten und Melk, darunter auch Ferschnitz, gründeten die Kleinregion Donau-Ybbsfeld.

Die Ortsgruppe des ÖKB feierte 2003 ihr 80jähriges Gründungsjubiläum. Zu diesem Festakt kamen 520 Kameraden aus 39 Verbänden. Nach einer Festmesse segnete Dechant Berger die neu restaurierten Fahnen des Ortsverbandes.

Der Tribünenbau des Fußballplatzes für 400 Personen wurde im Jahr 2004 gestartet.

Das Golfspiel ist in den letzten Jahren zum beliebtesten Freizeitsport geworden. Diesem Trend hat auch der Golfclub Swarco-Amstetten-Ferschnitz Rechnung getragen und erweiterte die bestehende Anlage auf eine neue 18-Loch-Anlage. Die 68 Hektar große Golfanlage hinterlässt bei den vielen Gästen einen bleibenden Eindruck.

Bautätigkeiten

Die erste Bautätigkeit (Siedlung) begann bereits 1950. Neue Hausnummern wurden ausgegeben und durch den Markt eine Straßenpflasterung vorgenommen (1951), der Bau eines Lagerhauses wurde befürwortet, der Postumbau gestartet und eine Tiefkühlanlage (1957) errichtet ([15]).

Ein großes Brückenprojekt, der Neubau der Hohen Bücke über die Ybbs, wurde in einer Bauzeit von 2 Jahren verwirklicht. Die Eröffnung war am 6. September 1959. Umfangreiche Arbeiten an den Ferschnitzer Straßen zu Beginn der sechziger Jahre, wobei ein Großteil neu trassiert wurde, leiteten eine Phase der Besserung unserer Verkehrswege ein ([16]).

Im Zuge des Neubaues der Landeshauptstraße 97, die in Günzing über die Ybbs führt, wurde anstatt der alten seit 1864 bestehenden Brücke, eine neue mit einer Gesamtlänge von 120 m errichtet. Die Kosten für die dreifeldrige Spannbetonbrücke betrugen 8 Millionen Schilling und konnte 1977 dem Verkehr übergeben werden ([17]).

Mit dem Bau des Gemeindezentrums auf den Grundstücken zwischen Pfarrhof und Friedhof wurde erstmals im Bezirk Amstetten die Zusammenfassung alle öffentlichen Einrichtungen aus dem Bereich der Bildung und Verwaltung in einem Gebäude von der Gemeinde Ferschnitz verwirklicht. In einem großen Festakt am 8. Juli 1979 wurde dieses Gemeindezentrum eröffnet. Landeshauptmann Siegfried Ludwig hielt die Festansprache und nahm anschließend den Spatenstich für die geplante neue Volksschule vor. Diese Schule wurde 5 Jahre später wieder von Landeshauptmann Siegfried Ludwig offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Zu diesem Anlass konnten auch die neuen Reihenhäuser in Rudling ihren Besitzern übergeben werden. In der alten nun leerstehenden Volksschule entstanden Wohnungen, Mehrzwecksaal und Kindergarten. Die Fassade blieb erhalten ([18]).

Im August 1987 startete ein großes Straßenbauprojekt. Das bisherige Steinpflaster durch den Markt wurde durch Asphaltbelag ersetzt. Ein Jahr später wurde die Umweltecke an der Hauptstraße eröffnet.

Der Dorferneuerungsplan wurde 1990 genehmigt und als erstes Objekt entstand die Aufbahrungshalle ([19]).

Die Vergabe der ersten Bauarbeiten zur Abwasserbeseitigung erfolgte 1994. 17 Jahre später war mit den Ortsteilen Günzing und Truckenstetten das Projekt "Abwasserversorgung" in der Gemeinde abgeschlossen.

Mit dem Spatenstich 1999 begann eine große Ausbauphase für ein neues Freizeitzentrum.

2002 war der Spatenstich für das Altstoffsammelzentrum in Innerochsenbach als Erweiterung der bestehenden Umweltecke im Ortszentrum.

Die Gemeinde Ferschnitz beschloss 2004 dem Klimabündnis beizutreten. Das Einstiegsprojekt war ein Fernheizwerk in Widen mit erneuerbarer Energie aus Hackschnitzl. Es versorgt das Gemeindeamt, Volksschule sowie Kindergarten und Privatanschlüsse. 2006 wurde ein zweiter Heizkessel installiert.

Bedingt durch die Bevölkerungszunahme in der Gemeinde, bestand das Interesse der Jugend an günstigen Wohnungen. Dem Rechnung tragend sollte eine Wohnbaugenossenschaft sechs neue Mehrfamilienwohnhäuser in drei Bauabschnitten innerhalb von 10 Jahren realisieren. Baubeginn war im Frühjahr 2006. Für ausreichende Wärmeversorgung dieser Siedlung sorgt ein weiteres Fernwärmeheizwerk. Die Wohnqualität dieser neuen Siedlung „Am Sonnenhang“ wurde mit einem Biotop aufgewertet.

2010 fand, nach einer Nachdenkphase, der Wiedereinstieg in die Dorferneuerung statt.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Ferschnitz

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Die Geschichte der Pfarre wird erst ab dem 14. Jahrhundert nachvollziehbar. Etwa zur gleichen Zeit, als auch die beiden herrschaftlichen Schlösser Freidegg und Senftenegg urkundlich nachweisbar wurden. Die Herrn von Zelking auf Freidegg machten im Jahre 1352 der Pfarrkirche die ersten Schenkungen, wobei die Kirche nur aus dem heutigen rechten Seitenschiff bestand. Eine weitere alte Inschrift nennt das Jahr 1425 als Bauzeit der Kirche. Es handelt sich dabei um den spätgotischen Chorraum mit Netzrippengewölbe und Sakristeiportal.


Der protestantische Erweiterungsbau durch Reichard Streun in der Renaissance bezieht sich auf das Langhaus der Kirche. Auf dem Triumphbogen steht dafür die Jahreszahl 1575. In diese Zeit gehört auch das giebelgekrönte Westportal und das ehemalige Friedhofsportal mit den Terrakottawappen. Bekannt sind auch die Grabmale der Familie Streun aus dem 16. Jahrhundert.

Die barocke Ausstattung gab der einst protestantischen Kirche ein neues Aussehen und mit der 1770 von Peter Wisgrill aus St. Pölten erfolgten Neugestaltung der Choranlage eine künstlerische Wirkung. Das Hochaltarbild, die Enthauptung des Kirchenpatrons Hl. Sixtus (Xystus - Papst 257 – 258), ist mit 1770 datiert und stammt von Johann Schmidt.

Im Wesentlichen zeigen sich somit dem Betrachter drei kunstgeschichtliche Abschnitte: der spätgotischen Chorbau, die Erweiterung in der Renaissance und zuletzt die barocke Ausstattung.

Der rund um die Pfarrkirche bestehende Friedhof wurde 1826 aufgelöst und am jetzigen Standort angelegt.

Nach den immer öfter notwendigen Reparaturen am bestehenden Dach der Kirche und des Turmes wurde letzterer 1899 mit Barockhelm neu gestaltet. Am Ende der Umbauarbeiten wurde das Turmkreuz 1899 im Rahmen eines großen Festes wieder aufgesetzt.

2003 wurde dieses Turmkreuz durch Blitzschlag arg beschädigt. Das Kreuz und die darunter liegende Kugel wurden daraufhin abgenommen, in der alten Form erneuert und neu vergoldet. Zur Erinnerung für die Nachwelt wurden in die Kirchturmkugel die gefundene Urkunde und Münzen aus dem Jahr 1899 sowie entsprechende Unterlagen aus der Gegenwart in einer Kapsel beigegeben ([20]).

Filialkirche Innerochsenbach

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Die Filialkirche zum Heiligen Martin in Innerochsenbach gehörte bis 1757 zum Pfarrgebiet Steinakirchen. Dieses aus Bruchsteinen errichtete und von außen fast unscheinbare Kirchlein gehört zu den beachtenswerten Sehenswürdigkeiten in Niederösterreich, dessen Entstehung weitgehend im Dunkeln liegt. Die kleine Filialkirche ist in verschiedenen Bauperioden gewachsen sein. Als erste greifbare Zeit ist jene um 1400 für den Teil des einjochigen Chores anzunehmen. 100 Jahre später erfolgte ein Erweiterungsbau mit einer quergestellten Halle.

Die Kirche zum Heiligen Martin wirkt weniger durch seine Architektur sondern viel mehr durch seine qualitative Einrichtung aus der späten Gotik und dem Frühbarock. Berühmt sind in dieser Kirche die beiden Chorfenster mit gotischen Glasmalereien um 1400. Die beigegebenen Wappen der Familie Zelking-Puchheim, auf dem rechten Seitenfenster sichtbar, weisen auf die Stifterin Elisabeth Puchheim, verehelichte Zelking, hin.

Von den gotischen Altären sind noch zwei Schreine aus dem frühen 16. Jahrhundert erhalten, die im frühen 18. Jahrhundert barocke Zierrahmen erhielten.

Am bekanntesten sind die gotischen Tafelbilder (um 1521), deren Maler unbekannt ist und der "Meister von Innerochsenbach" genannt wird. Aus Innerochsenbach stammen weitere vier Tafelbilder, die sich heute im niederösterreichischen Landesmuseum befinden.

Aus der Zeit des frühen Barocks stammen die Orgelempore und der wuchtige Hochaltar mit einer bildlichen Darstellung des Heiligen Martin. Das mit Schindeln eingedeckte Gotteshaus besitzt einen Turm, der früher mit zwei Glocken bestückt war. Um 1800 dürfte dann eine davon als Ersatz (für eine zersprungene) in die Mutterkirche Ferschnitz gebracht worden und dort verblieben sein. Die andere, aus dem Jahre 1646 stammende, Glocke hat die Ablieferung in beiden Weltkriegen überlebt und befindet sich noch heute im hölzernen Glockenturm. Ihre Inschrift lautet: "Martin Fidler in Linz guß mich 1646." Erhalten ist gleichfalls noch eine von Johann Fichtenbauer zu Ochsenbach  zum Preis von 100 Gulden verfertigte Orgel. Der Betrag wurde nach der fünften Rate im Jänner 1883 an Fichtenbauer bezahlt.

Für Polizeierhebungen sorgte ein im Jahre 1922 verschwundenes Temperabild.

Zum Glück wurden die wertvollen Glasmalereien beim Hochaltar in den letzten Monaten des 2. Weltkrieges herausgenommen und in Sicherheit gebracht. Bei einem Bombenabwurf im Jänner 1945 auf Ochsenbach 10 wären sicher diese kunstvollen Scheiben in Brüche gegangen.

Nach dem Krieg wurden durch Besuch prominenter Politiker, wie etwa Landeshauptmann Leopold Figl, Geldmittel für diverse Sanierungsarbeiten flüssig gemacht ([21]).

Schloss Senftenegg

Das Schloss Senftenegg liegt an einem Talhang des Ferschnitzbaches im Süden des heutigen Gemeindegebietes.
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Der Beginn des Sitzes Senftenegg liegt, genauso wie der von Freidegg, im Dunkel der Vorzeit und die ersten Nennungen beider Anlagen liegen kaum ein Jahr auseinander. Die erste Erwähnung von Senftenegg erscheint anlässlich eines Kaufvertrages 1331 durch Ludwig von Zelking über eine Wiese unter dem Hause zu Senftenegg, die an Otto von Zinzendorf geht. 1367 war die Regensburger Lehensfeste im Besitze der Familie Häusler. Danach folgte rascher und zahlreicher Besitzerwechsel, bis es 1795/97 Georg Adam Fürst von Starhemberg erwarb und sich mit den Herrschaften Auhof (Freidegg, Karlsbach, Hubertendorf) vereinigte.

Karl Friedrich Freiherr von Frank (zu Döfering) erwirbt 1932 das Schloss Senftenegg. Es war durch die vielen Besitzerwechsel und Verpachtungen nicht sehr gut erhalten. Er ließ das Schloss deshalb mehrmals renovieren und mit einer großartigen Bibliothek ausstatten. Diese benötigte der neue Besitzer zum Erforschen von Stammbäumen adeliger Geschlechter. In der heraldischen Gesellschaft „Adler“ war Karl Friedrich von Frank als Vorstandsmitglied tätig. Frank brachte unter anderem die berühmten "Senftenegger Monatsblätter" und eine ortsgeschichtliche Studie über Pyhrafeld heraus. 1928 erschien von ihm ein Adelslexikon und später ein Werk über die Adelsfamilie Kress von Kressenstein in deutscher und englischer Sprache. Ein fünfbändiges Werk „Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die Österreichischen Erblande von 1806 bis 1823“ erschienen in den letzten Jahren von 1967 bis 1974. Karl Friedrich von Frank war weit über die Grenzen hinweg ein geachteter und berühmter Ahnenforscher.

Der Arkadengang des oberen Stockwerkes wurde von Karl Friedrich von Frank mit den Wappen der früheren Schlossbesitzer künstlerisch ausgestaltet. Er starb unerwartet und wurde am 25.07.1975 in der Gruft seines Schlosses beigesetzt.
Schloss Senftenegg.jpg

Gesichert war der Haupteingang des Schlosses durch einen einst sehr tiefen Wehrgraben über den eine bewegliche Brücke führte. Flankiert war der Haupteingang von zwei seitlichen Rundtürmen, die auch heute noch zu sehen sind. Vom einstigen Bergfried ist nichts mehr zu erkennen. Er befand sich neben der Kapelle im Schlossinneren, am südöstlichen Eck der viereckigen Gebäudegruppe und wurde bis auf Dachhöhe abgetragen und somit in das Schloss integriert. Das Schloss befindet sich heute in Familienbesitz ([22]).

Flurdenkmäler in Ferschnitz

Noch lebende Ehrenbürger

Noch lebende Ehrenringträger

Einzelnachweise

  1. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Der Ort im Wandel der Zeit. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S. 15ff
  2. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Herrschaft Freydegg unter den Strein (Streun) 1448-1612. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 36ff
  3. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Der Einmarsch der Franzosen. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz:1989, S 87ff
  4. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die Aufhebung der Untertänigkeit der Bauern und das Werden der Gemeinde.Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 91ff
  5. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Über 1000 Jahre Landwirtschaft. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 271ff
  6. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die Anfänge und Entwicklung der Post. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 299ff
  7. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die Freiwillige Feuerwehr. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 310ff
  8. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die ersten "Photographien" aus Ferschnitz. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 110ff
  9. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Das Notgeld in Ferschnitz. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 118ff
  10. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die Volksabstimmung und der Anschluß. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 128ff
  11. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die politischen Parteien nach 1945. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 134
  12. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Kriegerverein - Österreichischer Kameradschaftsbund. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 321ff
  13. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Musik - Musikverein. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 316ff
  14. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Planung, Ausführung und Eröffnung des Gemeindezentrums. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 158
  15. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die Bautätigkeit beginnt (Siedlung) - Straßenpflasterung im Markt. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 147
  16. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die Gemeindeperiode ab 1955. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 149ff
  17. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Neue Brücke über die Ybbs bei Günzing. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 157
  18. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Planung, Ausführung und Eröffnung des Gemeindezentrums. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 158ff
  19. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Dorferneuerung in der Gemeinde. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 166f
  20. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Pfarrgeschichte von Ferschnitz. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 187fff
  21. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Die Filialkirche zum hl. Martin in Innerochsenbach. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 259ff
  22. LANGEDER, Gottfried: 400 Jahre Markt Feschnitz. Herrschaft und Schloß Senftenegg. Ferschnitz: Marktgemeinde Ferschnitz: 1989, S 180ff


LANGEDER, Gottfried: Gemeindezeitungen der Marktgemeinde Ferschnitz, ab 1989

LANGEDER, Gottfried: private Manuskripte und Archiv

Weiterführende Links

http://www.ferschnitz.gv.at

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