Carl Zeller

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Carl Zeller (1892)

Carl Adam Johann Nepomuk Zeller wurde am 19. Juni 1842 als einziges Kind des Wund- und Geburtsarztes Johann Zeller und seiner Frau Maria Anna Elisabeth (geb. Dierl) in St. Peter in der Au im Haus Markt Nr. 40 (heute Marktplatz 13) geboren. Sein Vater starb ein halbes Jahr später und der kleine Carl Zeller zog mit seiner Mutter nach Biberbach. 1846 heiratete seine Mutter den Arzt Ernest Friedinger und Carl Zeller übersiedelte mit 4 Jahren nach Strengberg. Ab Herbst 1849 besuchte Carl Zeller die damals zweiklassige Volksschule in St. Peter in der Au. Dort wurde er vom bereits über 70-jährigen Schulmeister Josef Brandstetter unterrichtet und wohnte auch bei diesem. Mit sieben Jahren spielte Carl Zeller bereits auf der Orgel der Pfarrkirche von St. Peter in der Au, erlernte verschiedene Orchesterinstrumente und sang bei Messen öfters das Sopransolo.

Im Alter von elf Jahren kam Carl Zeller wegen seiner schönen Stimme zu den Hofsängerknaben nach Wien. In den nächsten vier Jahren als Sängerknabe genoss er den Klavier- und Kompositionsunterricht des hochgeachteten Musiktheoretikers Simon Sechter, der auch Lehrer von Franz Grillparzer, Anton Bruckner und Franz Schubert war. Im Alter von nur 13 Jahren schuf Carl Zeller 1855 seine ersten Kompositionen, ein "Marienlied" für gemischten Chor und ein "Ave Maria" für Tenorsolo, Streichorchester und Orgel. Am 25. Juli 1858 kam seine dritte Komposition, das "Lied zu Ehren des Hl. Jakob" für gemischten Chor, im Löwenburg'schen Konvikt in Wien zur Uraufführung. Der 16-jährige Carl Zeller dirigierte den Chor und das Orchester bei dieser Aufführung selbst. Im August 1857 musste er den Chor der Hofsängerknaben verlassen, da sich bei ihm der bevorstehende Stimmbruch ankündigte und er wegen Krankheit als Sänger längere Zeit ausgefallen war. Ab 1860 besuchte Carl Zeller das Obergymnasium des Stiftes Melk und legte dort im August 1861 die Matura mit Auszeichnung ab. Zwischen 1862 und 1869 studierte er in Wien Rechtswissenschaften und promovierte am 3. April 1869 in Graz zum Doktor der Rechte.

In seiner Studentenzeit in Wien und in den ersten Berufsjahren komponierte Carl Zeller zwei Liederspiele, zahlreiche einstimmige Lieder und Männerchöre, welche vom Wiener Akademischen Männergesangverein bei deren Veranstaltungen zur Aufführung gebracht wurden.

Nach seiner Promotion war Carl Zeller zuerst an verschiedenen Gerichten tätig ehe er 1873 im Alter von 31 Jahren vom damaligen Unterrichtsminister von Stremayr als Ministerialkonzipist in den Staatsdienst berufen wurde. Bedächtig kletterte Zeller mit den Jahren die Karriereleiter im Ministerium für Cultus und Unterricht hinauf. Er wurde zuerst Vizesekretär, dann Sekretär, später Sektionsrat und zuletzt Ministerialrat.

Gedenktafel am Geburtshaus

Am 15. Mai 1875 heiratete Carl Zeller in der Schottenkirche in Wien die Schneidermeisterstochter Anna Maria Schwetz. Zellers erster Sohn Carl Wolfgang wurde am 10. Februar 1876 in Wien geboren. Er studierte wie sein Vater Rechtswissenschaften und komponierte ebenfalls einige Operetten. Der Männergesangverein St. Peter i. d. Au pflegte in den 1920er-Jahren rege Kontakte mit ihm und im Juli 1927 war Carl Wolfgang Zeller als Ehrengast der damaligen Zeller-Feier einige Tage zu Besuch in St. Peter in der Au. Carl Wolfgang Zeller starb 1965 im Alter von 89 Jahren in Baden bei Wien. Carl Zellers zweiter Sohn Robert William wurde am 30. Juni 1878 in Wien geboren. Auch er studierte Rechtswissenschaften, war aber im Gegensatz zu seinem älteren Bruder nie musikalisch tätig. Robert William Zeller starb bereits 1922 in Wien im 44. Lebensjahr.

Als angesehene Persönlichkeit und wegen seines eleganten Äußeren war Carl Zeller in allen Kreisen der Wiener Gesellschaft sehr beliebt. Er galt als schöner und intelligenter Mann mit guten Manieren.

Carl Zeller komponierte sein Leben lang nur nebenberuflich, als Hobby sozusagen. Trotzdem war er als Komponist Zeit seines Lebens als Meister des Operettenfaches anerkannt und geschätzt.

Ein halbes Jahrzehnt nach den erfolgreichen konzertanten Uraufführungen von "Szenen vom kölnischen Narrenfeste" und "Die Thomasnacht" wurde Zellers erstes Bühnenwerk, die komische Oper "Joconde" 1876 im Theater an der Wien uraufgeführt und hatte einen ausgesprochenen Erfolg. Sein zweites Bühnenwerk, die komische Oper "Die Fornarina" wurde 1879 im Theater am Gärtnerplatz in München uraufgeführt. Die Musik fand einstimmig vollste Anerkennung, aber das Textbuch war ein so arger Missgriff, dass Zeller das Werk nach der zweiten Aufführung zurückzog. Ebenso wie "Die Fornarina" verschwand seine nächste Operette "Die Carbonari" nach nur wenigen Aufführungen im Jahre 1880 für immer von den Theaterbühnen. Seinen musikalischen Höhepunkt erreichte Carl Zeller 1886 mit seiner vierten Operette "Der Vagabund". Diese Operette hatte später auch in Amerika großen Erfolg.

Wenn Carl Zeller, neben Franz von Suppé, Johann Strauss und Karl Millöcker von der Musikwissenschaft heute als vierter Operettenklassiker der sogenannten "Goldenen Ära" gesehen wird, so hat wohl seine Meisteroperette "Der Vogelhändler" den entscheidenden Anteil an dieser Wertschätzung. Diese 1891 uraufgeführte Operette war zweifellos Zellers Meisterwerk. Es bestach in der Ausformung des Orchestersatzes und durch Zellers Ensemblekunst, die im ersten Finale mit "Schenkt man sich Rosen in Tirol" ihren Höhepunkt erreicht. Bereits drei Jahre danach kam 1894 die Operette "Der Obersteiger" heraus. Ihr Erfolg lag ebenfalls im Volkstümlichen, im Aufbau der beiden Finale und der geschickten Verwendung von Bühnenmusik.

Kurz danach begann Carl Zeller erste Skizzen zu seiner nächsten Operette "Der Kellermeister" zu entwerfen. Die Arbeit ging aber durch eine Erkrankung nur mehr langsam weiter und kam schließlich ganz zum Stillstand. Carl Zeller konnte diese Operette nicht mehr vollenden. Erst nach Zellers Tod stellte sie der Komponist Johannes Brandl fertig.

Carl Zeller verlebte seine letzten Jahre als schwerkranker Mann. Er litt unter immer stärker werdenden Lähmungserscheinungen und Muskelschwund. Ab 1896 war Zeller nicht mehr allein beweglich, er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens im Roll- und Lehnstuhl. Am 31. März 1897 schied Carl Zeller aus seiner Stellung im Ministerium aus. Er zog sich aus allen gesellschaftlichen Kreisen zurück und wurde in einen bösen Erbschaftsprozess verwickelt. Angeklagt zwei falsche Eide geschworen zu haben, wurde die Verhandlung jedoch in seiner Abwesenheit geführt und so wurde er, ohne sich persönlich verteidigen zu können, schuldig gesprochen. Dieses Urteil wurde zwei Monate später vom Obersten Gerichtshof wieder aufgehoben und eine neuerliche Verhandlung in Anwesenheit Zellers gefordert. Zu dieser Verhandlung kam es aber in Folge seiner schweren Krankheit nicht mehr. Zeller konnte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr sprechen und hatte vorübergehende geistige Störungen.

Am Abend des 17. August 1898 starb Carl Zeller in Baden bei Wien im Alter von nur 56 Jahren. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 47B, Reihe 1, Nr. 9) begraben.

Carl Zeller-Haus in St. Peter/Au
Vogelhändler-Brunnen

Carl Zellers früher Tod, knappe siebeneinhalb Jahre nach seinem großen Vogelhändler-Erfolg, hat dazu beigetragen, dass kein "Starkult" um ihn entstehen konnte, wie bei vielen anderen Operettenkomponisten seiner Zeit. Daher sind heute fast alle seine Bühnenwerke vergessen und werden leider nur mehr selten bis gar nicht aufgeführt. Seine Meisteroperette "Der Vogelhändler" aber zählt auch heute noch zu den beliebtesten und meistgespieltesten Operetten.

In Carl Zellers Mostviertler Geburtsort St. Peter in der Au erinnern heute neben einer 1927 errichteten Gedenktafel am Geburtshaus ("Carl Zeller-Haus"), noch der Vogelhändler-Brunnen (1967 geschaffen vom St. Peterer Bildhauer Kunibert Zinner) vor der Hauptschule, das Carl Zeller-Museum im Schloss (Neueröffnung am 7. April 2013), das Grab seines Vaters Johann Zeller am Ortsfriedhof und zahlreiche Straßennamen (Carl Zeller-Ring, Vogelhändlerplatz, Obersteigerstraße) an den wohl berühmtesten Sohn der Marktgemeinde.

Bühnenwerke

Szenen vom kölnischen Narrenfeste (Liederspiel, Wien 1868)
Die Thomasnacht (Liederspiel, Wien 1869)
Joconde (Komische Oper, Wien 1876)
Die Fornarina (Komische Oper, München 1879)
Die Carbonari (Operette, Wien 1880)
Der Vagabund (Operette, Wien 1886)
Der Vogelhändler (Operette, Wien 1891)
Der Obersteiger (Operette, Wien 1894)
Der Kellermeister (Operette, Wien 1901)
Die Rosl vom Wörthersee (Operette, 1943/44)

Quellen und Literatur

Zeller, Carl Wolfgang: Einziges dermalen bestehendes Lebensbild Zellers, in: Festschrift M.G.V. St. Peter i. d. Au 1927.
Zeller, Carl Wolfgang: Mein Vater Carl Zeller – Zu seinem 100. Geburtstag, St. Pölten 1942.
Preiss, Cornelius: Karl Zeller – Der Schöpfer Volkstümlicher Wiener Operetten, Linz, 1928.
Scheiber, Artur Maria: Der Tondichter Karl Zeller – Einiges über seine Heimat und Abstammung, in „Unsere Heimat“, 1938.
Wallner, Viktor: Karl Millöcker – Carl Zeller – Karl Komzak, Baden bei Wien 1992.
Schwingenschlögl, Regina: Carl Johann Adam Zeller – Leben u. Werk, Diplomarbeit, Wien 2004.
Gnedt, Thomas: Carl Zeller – Der Operettenkomponist aus dem Herzen des Mostviertels, 4 Bände, St. Peter/Au, 2009-2011.

Weitere Informationen auf http://www.carlzeller.at

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