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Ist Most der bessere Wein?


Ein Meilenstein in der Geschichte des Mostes wurde bei der letzten Verkostung des Gourmetmagazins „A la Carte“ gesetzt. Erstmalig wurden neben Wein und Edelbränden auch Obstweine/Moste mitverkostet, und man staune, wir wussten es ja
insgeheim schon immer, die Moste gingen als Sieger hervor! Kein Wein erreichte diesmal eine so hohe Punktanzahl wie Most (93 von 100); als Sieger ging der Most von Bernhard Datzberger hervor. Übrigens alle drei höchst prämierte Moste kommen aus dem Mostviertel. Bei der Verkostung „A la Carte“ waren Moste aus Oberösterreich (Ernst Mielacher, Familie Wurm) und Niederösterreich (Bernhard Datzberger, Gerhard Gatterer, August Frühwald, Andreas Wirchmayr) mit am Start.[1]

Most – Prost!

Nach den Destillateuren und den Fruchtsaftproduzenten sind inzwischen natürlich auch die Mosterzeuger zu dem Schluss gekommen, dass ihr Erzeugnis keine Resteverwertung sein muss, sondern dass man prachtvolle Qualitäten erzeugen kann.

Allerdings: außerhalb der Produktionsgebiete – im wesentlichen das nieder- und das oberösterreichische Mostviertel – sind die Produkte so gut wie unbekannt. Grund genug also, sich mit einigen der besten Erzeugnisse zu beschäftigen. Wir befragten also unsere Gewährsleute: einerseits Martin Teufl, den Wirten des gleichnamigen Gasthofs in Purgstall an der Erlauf in Niederösterreich, andererseits Hans Reisetbauer, den Meisterdestillateur im oberösterreichischen Axberg bei Kirchberg-Thening. Wir bekamen fünf Namen genannt, erbaten je vier Produkte aus dem Sortiment und ergänzten die Palette um einen Apfelschaumwein von Kirchmayr in Weistrach (der sich übrigens unerlaubterweise Apfelsekt nennt). Soviel sei gleich gesagt: Die Verkostung war höchst vergnüglich, die besten Moste haben es sich wirklich verdient, auch außerhalb ihren Region vertreten zu sein.

Ein wenig Theorie
Wie alles, was man hierzulande zu essen oder trinken bekommt, unterliegt natürlich auch der Most gesetzlichen Regelungen. Im Gegensatz zu Säften und Destillaten, die im Lebensmittelcodex geregelt sind, findet man Most im Weingesetz. Wenn’s jemand im Detail interessiert: In den Paragraphen 35 und 37 findet man alle Definitionen. Hier nur das Wichtigste: “Obstwein” und “Most” sind Synonyme. Wie der Wein aus Trauben wird der Most aus der Maische der Früchte gewonnen, die vergoren wird. Der Alkoholgehalt beträgt mindestens 1,2% und ist auf den Etiketten anzugeben. “Zider” ist eine Mischung von Obstsaft und -wein mit maximal 5% Alkohol und maximal 2,5 bar Kohlensäuredruck. Obstperlwein hat mindestens 5% und 1 bis 2,5 bar; Obstschaumwein muss mindestens 3 bar CO2-Druck haben.

In Sachen geschmacklicher Süße wird’s allerdings kompliziert. Im Gegensatz zu Wein reicht die Säurebandbreite von 5 bis 12‰, auch beträchtliche Gerbstoffgehalte sind möglich, weshalb die Angabe des Süßegrads wie beim Wein (es gelten die gleichen Grenzwerte) zwar möglich, aber nicht nunbedingt aussagekräftig ist. Die Mostgalerie in Stift Ardagger hat eine eigene Einstufung in vier Richtungen erstellt: “mild”, “halbmild”, “kräftig” und “resch”. In der Praxis findet man aber die Bezeichnungen ohnedies eher selten auf den Etiketten, man wird um eine Verkostung kaum herumkommen.

Und die Praxis
Die Verkostung hat einigermaßen verblüfft: 14 Moste kamen auf 90 und mehr Punkte, bieten also wirklich feines Trinkvergnügen. Die allerbesten Produkte stammen von der Birne, aber die Produkte aus den Äpfeln stehen ihnen kaum nach. Nicht selten haben wir uns gedacht, dass so ein Most ein prachtvoller Aperitif wäre und eine wirkliche Alternative zum Prosecco sein könnte – noch dazu unterstützt man damit die heimische Landwirtschaft. Ganze Menüs mit Mostbegleitung werden wohl außerhalb der Produktionsregionen eher die Seltenheit bleiben, aber die guten Moste können tatsächlich mehr, als nur die Brettljause zu begleiten. Und wenn man schließlich die Preise von Most mit jenen von Wein vergleicht, gehen einem die Augen auf: Auf der uns vorliegenden Preisliste (von Hechal/Frühwald) beginnt es bei € 1,50 und endet bei 2,80 – für die 1-l-Flasche. Da kann man nur sagen: Prost!

Text von Michael Pronay, im A la Carte Magazin 2/2010[2]

Inhaltsverzeichnis

Mostnotizen - Kostnotizen

Mischmost (Äpfel/Birnen)

92 Seppelbauer Apfel-Birnenmost halbsüss, 6,5%, Datzberger 

Feine Süßenase, Zitrus und Aranzini, schon wirklich attraktiv; wunderschönes Spiel von feiner Frucht, herzhafter Kohlensäure und ganz zartem Mousseux, dazu Orangenschalen und Mandarinen, sehr anregend, ein Weintrinker würde eher halbtrocken sagen, wunderschöner Stoff, unglaublich lang.

91 Prämierter oö Jungmost, 6%, Mielacher 

Sehr hübsche Frischenase, die Birne steht im Vordergrund, dabei knusprig und saftig, herzhafter Säurebiss, dezentes CO2, ganz zarter Süßeschleier, blitzsauber, gute Länge, Zitrus, Minze, sehr fein.

89 Riethalerhof Apfel-Birnen-Most trocken, 6,2%, Mielacher 

Feine, dichte Frucht, fast weinig in die Muskateller-Richtung gehend, schöne Würze; feine Würze, passendes CO2, bei aller Weichheit auch schöner Schliff, Stachelbeeren und Kräuter, klassisch trocken, schöne Länge.

87 Schmied Most Apfel-Birnen Bio, 6,2%, Frühwald 

Eher zarter in der Anlage, auch die Gerbstoffe lassen schon zart grüßen, reife Birne, dabei etwas lackig; reife, zart oxidative Note, geradlinig, kernig-straffe Säure, gerbstoffig ausklingend, gewöhnungsbedürftig, braucht die Jause.

87 Prämierter oö Jungmost, 6%, Wurm & Wurm 

Hübsch und pikant, fast vorlaut, aber wunderschön klar und transparent, sehr sortentypisch; herzhaft-knackiger Biss, auch feine Mineralik, beträchtliche Länge, ausgezeichnet.

Apfelmost

91 Riethalerhof Apfelcuvée Selection 2009, 6,2%, Mielacher 

Verhalten, aber eindeutig weinig, muskierend und kräuterwürzig, blind von Welschriesling kaum zu unterscheiden; eindeutig weinig, irgendwie eine Kreuzung aus jungem Rivaner mit Schilcher, knackig trocken, hübsche Frucht, hinten appetitliche Stachelbeere, sehr fein.

90 Braeburn Apfelmost, 7,2% Gatterer 

Ganz feine, klare Apfelnase, frisch und voller Finesse, weinig und dezent; geht in die Richtung Frühroter Veltliner, zarte Bitternoten, auch Haselnüsse, blitzsauber, reintönig, klar und saftig.

90 Hechal Bio-Apfelmost Topaz halbmild, 6,5%, Frühwald 

Feine, reife, weiche Fülle, dezente Süße, Winterapfel-Typus in Richtung Golden Delicious; schöne Balance von Fülle und Frische, zart mehlig-apfelig wirkend (was keine Kritik sein soll), schöne Länge, blitzsauber, für Weintrinker eindeutig trocken.

89 Edler Apfelmost, 6%, Wurm & Wurm 

Wunderschön klare, dichte, saftige Fülle, reifer Apfel, auch ein wenig wie feines Apfeldestillat; saftiger Biss, wunderschön bodenständig, erdig und ehrlich; geradlinig, saftig, herzhafter Biss, trocken, frisch, braucht die Jause.

88 Seppelbauer Barrique Apfelmost, 7,7%, Datzberger 

Eigenwillig, das Holz ist merklich, Bratapfel und Vanille; fette Fülle, herzhafte Gerbstoffe, extraktsüß, höchst individuell, gute Länge, wenn auch sehr gewöhnungsbedürftig.

Birnenmost

93 Baronmost Speckbirne Der süsse Baron, 5,4%, Datzberger  

Sehr feine, tiefe Nase, komplex, dicht, Ribisel, Früchtebrot, Kletzen; feine Fülle, wunderschöne Textur, herrlicher Stoff, die Süße (weinmäßig eher lieblich) passt perfekt, aus- gesprägter Spaßfaktor, ganz ausgezeichnet.

93 Sieger Speckbirnenmost, 7,1%, Gatterer 

Wunderschön tiefe, klare, saftige Birnenfrucht, die Würze der Speckbirne ist bilderbuchmäßig ausgesprägt; herrlich saftig, klar, wunderschön weinig, feine Balance von CO2 und ganz zarter, aber perfekt passender Restsüße, überaus komplex, im Alleingang toll, zum Essen noch besser.

93 Selektion Gemischter Birnenmost, 7,4%, Gatterer 

Wiederum ganz und gar klassische Birnenfrucht, saftige Williams, fast kompottig (Birne Helene); wunderschöne Frucht, herrlich birnensaftig, ganz feine, dezente Süße, tolle Länge, herrlicher Stoff.

92 Riethalerhof Birnenmost Selection 2009 Speckbirnen trocken, 6,5%, Mielacher 

Wunderbar klare, dichte, kraftvolle Birnennase, wie Scheurebe, auch Cassis, überaus typisch und tief; herrlich klar und saftig, auch komplex, ganz feiner Gerbstoffschliff (beim Wein würden wir mineralisch sagen), wunderschöne Würze, sehr schöne Länge, ausgezeichnet.

91 Hechal Red-Mo Blutbirnenmost, 6,2%, Frühwald 

Dunkelrosa; rote Ribisel und fast wie Himbeersaft; schöne Beerenfülle, erinnert (durchaus positiv) an Himbeerbrause, schöner Biss, feine Balance, trocken, aber keineswegs sauer, knackig, straff, sehr fein – eine echte Alternative zu Roséwein.

90 Dorschbirnenmost, 6%Datzberger

Saftig-herzhafte Birnenwürze, auch fischig im positiven Sinn (Sardellen), auch ein Hauch Bienenwaben und Sternanis; recht straff und straight, knackiger Säurebiss, staubtrocken, aber durchaus spannend, Kräuterwürze (Thymian), braucht wiederum eindeutig passendes Essen, auch für die weniger warmen Jahreszeiten geeignet.

Zider, Perl- und Schaumwein

91 Birnencider lieblich, 3,7%

Gatterer  Feine, weiche, dichte Nase, die Oxidation ist wesentlich zurückhaltender, hier regiert die feinere Klinge; blitzsauber, saftig und klar, intensives Steinobst, Marillen, wunderschön komplex, toller Stoff, blitzsaubere Balance, sehr fein.

90 Seppelbauer Apfel-Birnenmost Frizzante Obstperlwein, 6,4% Datzberger 

Zartes Kernobst, auch ein Hauch von Pfirsich; weiches,aber dichtes und sehr präsentes Mousseux, amusant und witzig, schlägt in Sachen Spaßfaktor praktisch jeden Prosecco, auch die Birne kommt sehr fein, Him- und Johannisbeeren, sehr fein.

90 Schmied Perle Obstperlwein Bio, 5,5%, Frühwald 

Feiner Bratapfel, Tarte Tatin, deutliches Karamell, Butter und Mürbteig; die Aromatik setzt sich wunderschön fort, ganz zarte, aber hochfeine Süße, müsste gut zum Apfelstrudel passen, sehr feine Fruchtsüße, toller Stoff.

89 Seppelbauer Birnencidre, 3%, Datzberger 

Weiche, saftige, hochreife Fülle, die zarte Oxidation des Cidre in der französischen Richtung ist ganz deutlich, auch Kletzen; reif, Brotbrösel, Kletzenbrot, knusprig, deutlich süß, eine ganz andere Richtung als die bisherigen Produkte, Windbäckerei, röstig und selchig, eigenwillig, gewöhnungsbedürftig, aber gar nicht übel.

89 Brünnerling Apfelsekt Brut 2006, 8%, Kirchmayr, Weistrach (Flaschengärung, vor über einem Jahr erstanden) 

Hübsche Apfelfrucht und feine Reife, dezentes Kernobst, Hauch aldehydisch; feines Mousseux, straff, knackige Säure, dezenter Gerbstoffrückhalt, schöne Länge, hat sich in dem Jahr gut entwickelt.

87 Edler Birnenschaumwein, Wurm & Wurm 

Sehr jugendlich wirkende, aber auch merklich neutrale Nase, kaum Frucht; frisch und klar, hübsch und saftig, ganz zart lackig, nicht ganz trocken, der Zucker stört aber nicht, zarte eingelegte Nüsse, in Summe aber eher einfacher gestrickt.

Text von Michael Pronay, im A la Carte Magazin 2/2010[3]

Adressen

Seppelbauers Obstparadies Mostothek
Fam. Bernhard Datzberger
Pittersberg 12, 3300 Amstetten
Tel.: 07472/646 60 

Hechal Most
Fam. Frühwald
Schaitten 16, 3264 Reinsberg
Tel. & Fax: 07487/77 18, hechal@gmx.at

Barbara & Gerhard Gatterer
Marktgasse 25, 3200 Ober-Grafendorf
Tel.: 02747/24 48, office@gatterer-abhof.at 

Riethalerhof
Ernst & Birgit Mielacher
Riethal 4, 4623 Gunskirchen
Tel.: 07246/63 24, Fax. Dw. 4, info@riethalerhof.at  

Wurm & Wurm 
Weiling 10, 4490 St. Florian 
Tel.: 07224/43 87, 0676/325 32 60
wurm-wurm@aon.at 

Weitere Info unter
www.moststrasse.at,
www.mostbarone.at.

Einzelnachweise

  1. Mag. Eva Pfeiffer
  2. http://alacarte.at/cgi-bin/Most-Prost-2010-2.421.0.html, 22.8.2011, 14:50 Uhr
  3. http://alacarte.at/cgi-bin/Most-Prost-2010-2.421.0.html, 22.8.2011, 14:50 Uhr
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